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These #1

Die Finanzkrise ist nur die Spitze des Eisberges einer tiefgehenden Systemkrise.

Die Blase der außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte ist geplatzt, hat die größte Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg ausgelöst und die Welt in eine tiefe Rezession geführt. Nur mit massiven staatlichen Mitteln konnte ein Totalabsturz der Weltwirtschaft verhindert werden, dennoch steigen die Arbeitslosenzahlen und zugleich das Budgetdefizit stark an. Zugleich steht die Welt vor weiteren großen Herausforderungen, insbesondere der Klima- und Energiekrise. Der Klimawandel ist nur durch eine radikale Trendwende in der Energie- und Ressourcenpolitik bekämpfbar.
Eng verknüpft mit dem Klimawandel ist die Energiekrise. Die massive Nachfrage wachsender Volkswirtschaften wie China oder Indien nach Öl und Gas wird durch das Angebot zukünftig kaum abgedeckt werden können. Die Folge ist eine starke Verteuerung wie sie bereits in den Jahren 2007 und 2008 stattgefunden hat. Aufgrund der durch die Wirtschaftskrise derzeit geringeren Nachfrage nach Energie sind zwar die Preise kurzfristig gesunken. Jedoch wird sich das radikal ändern, wenn die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt. Erste Anzeichen sind deutlich erkennbar. Noch stärker als 2007 und 2008 wird der Ölpreis in die Höhe schnellen. Die Internationale Energieagentur geht von einem Rohölpreis in der Höhe von 200 US-Dollar im Jahr 2013 aus.
Die Auswirkungen all dieser Krisen haben Folgen auf die soziale Situation, die Demokratie und letztlich auch auf Krieg & Frieden. Daher geht es jetzt nicht nur darum, Wege aus der immer noch anhaltenden Wirtschaftskrise zu finden, sondern gleichzeitig auch darum, die Welt nach der Krise so zu gestalten, dass die bereits drohenden nächsten Krisen vermieden werden können. Die Gier nach zweistelligen Renditen, eine finanzmarktgetriebene Ökonomie, die den Bezug zur Realwirtschaft verloren hat, ein konsumorientierter Materialismus, die Endlichkeit unserer Ressourcen, die wachsenden Unterschiede in der Einkommens- und Vermögensverteilung: das alles ist Grund und Anlass für ein neues Denken und eine deutliche Richtungsänderung.

Beispiel

Die Wirtschaftsprognosen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sagen für 2010 wieder Wachstum voraus. Nicht berücksichtigt ist dabei, was passiert, wenn bei weltweitem Aufschwung auch der Ölpreis wieder explodiert. Wirtschaftsprognosen gehen meist von kontinuierlichen Entwicklungen aus, nicht so viele EnergieexpertInnen. Die Abhängigkeit von der endlichen Ressource Öl wird zum Bremser für den Aufschwung und führt unweigerlich in die nächste Krise. Denn Wirtschaftsentwicklung, Energieversorgung, soziale Gerechtigkeit und Klimawandel sind nicht getrennt voneinander zu betrachten. Durch den Rückgang der weltweiten Produktion sinken derzeit auch die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Emissionen wieder steigen werden, wenn beim kommenden Wirtschaftsaufschwung wieder voll auf Öl als Schmiermittel der Weltwirtschaft gesetzt wird.

Vorschlag

Nachhaltigkeit muss von der oft gebrauchten Worthülse endlich zum Leitprinzip der Politik werden. Auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Werden die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung, also die Verantwortung, den folgenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, konsequent verfolgt, wird dies einen deutlichen Kurswechsel bewirken. Wirtschaftspolitisch, umweltpolitisch, sozial- aber auch demokratiepolitisch. Auch Österreich braucht eine neue Richtung. Eine parlamentarische „Enquetekommission Nachhaltige Entwicklung“ soll einen „Kriterienkatalog Nachhaltigkeit“ erarbeiten, der anschließend auf Bundes- und Länderebene gesetzlich verankert wird. Mittelfristig braucht es europaweit einheitliche Kriterien für nachhaltige Entwicklung.



Bewertung (-5 bis +5) Onlinediskussion

+ 2.00 Durchschnitt (Basierend auf 984 Stimmen - 14.2.2010)
Weitgehend Konsens.

Diskussion

Wie nachhaltig kann die jetzige Form des Kapitalismus sein? In der Systemkritik steckt viel Kapitalismuskritik und damit auch die Frage, ob die Lösungsvorschläge nicht auch nur Symptom-Bekämpfung seien. Klar ist: Die weitgehende Unterordnung unter dem Ziel der Profitmaximierung  hat viele negative Auswirkungen und ist mit dem Ziel einer „solidarischen Wirtschaft und Gesellschaft“ oft nicht kompatibel. Es gibt einen Wertekonflikt, der eine Prioritätensetzung erfordert, was ist wichtiger: Der Profit einzelner oder Gerechtigkeit und Solidarität bzw. kollektive Interessen, wenn wir die Menschheit bzw. unser Gesamtsystem schädigen? (Umweltzerstörung)
Die Verknüpfung von Ressourcenknappheit und Finanzkrise wird unterschiedlich bewertet.

Streifzug durch einzelne Statements:

  • Was bedeutet Nachhaltigkeit?
  • Zwang zum Wachstum ist eine Krisenursache;
  • Bewusstseinsänderung als Voraussetzung für Änderung des Wirtschaftssystems;
  • „Stärken wir Menschen und Institutionen, die möglichst frei von Lobbyinteressen derartiges Wissen niederschwellig zu allen Menschen bringen und die dieses Wissen in konkrete Handlungen umsetzen.“
  • Investitionen in „zukunftsweisende Technologien“ notwendig, um den „Endrun“ auf Erdöl nicht mitmachen zu müssen – Politik verschläft dies!
  • Finanzkrise hat nur wenig mit Ressourcenknappheit zu tun – sie ist vielmehr ein Produkt einer „außer Rand & Band“ geratenen Geldpolitik der Notenbanken und der Deregulierung der Börsen;
  • Hyperinflation und Anstieg der Armut durch Krise sind unausweichlich - „haben auf Kosten der Zukunft gelebt, nun kommt der Tag der Abrechnung“
  • Krisenvorsorge mit lebensnotwendigen Gütern ist der einzige Ausweg;
  • Auch thermische Sanierung, Wärmepumpen, E-Mopeds können zur Krisenvorsorge beitragen;
  • Finanz- und Umweltkrisen können nicht isoliert von einander betrachtet werden – haben eine weltumspannende Systemkrise mit verschiedenen Subsystemkrisen – Ursache aller Krisen liegt im „profitbasierten monetären Konzept“;
  • Grüne sollen sich auch mit Ursachen der Systemkrise des Wirtschaftssystems beschäftigen;
  • Ölprognosen wurden in den letzten Jahren auf Druck der USA geschönt;
  • „Wir versäumen gerade die historische Chance, eine Alternative zum Kapitalismus zu entwickeln mit Hilfe der sozialen Bewegungen.“
  • Es gibt keine Kritik an der prinzipiellen Art unseres Wirtschaftens.
  • Die tieferen strukturellen Ursachen der Systemkrise unseres Wirtschaftssystems bleiben so unentdeckt. Es geht um die Frage wie Geld entsteht, insbesondere wie es heute entsteht.
  • Es ist gefährlich, eine Finanzkrise mit einer Umweltkrise thematisch und im selben Absatz nebeneinander stehen zu lassen. Beides soll überwunden werden. Jeglicher Zusammenhang erscheint mir jedoch billig hinkonstruiert zu sein, aus Gelegenheit also.
  • Aber die derzeitige Finanzkrise hat nur wenig mit der sich abzeichnenden Ressourcenknappheit zu tun, wurde durch sie bestenfalls beschleunigt.



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Statistik

 
1.49 Durchschnitt
Basierend auf 1420 Stimmen

  • Ernst Sperl
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    Eine der Ursachen der Krise ist der Zwang zum Wachstum, um mit genügend Arbeitsplätzen die Wirtschaft in Schwung zu halten / zu bringen. „Umweltverträgliches“ Wachstum mag kurzfristig eine Lösung sein, langfristig nicht. Wir haben zwar genügend Arbeit für alle, aber nicht in Form von Erwerbsarbeit. Wir werden um eine gerechtere Verteilung der Erwerbsarbeit nicht herumkommen. Um unseren Lebensstandard zu halten, sind 20-30 Wochenstunden Erwerbsarbeit ausreichend. Möglich wäre Zwang mit laufender Verkürzung der Wochenarbeitszeit oder Freiwilligkeit mittels bedingungslosem Grundeinkommen (als Negativsteuer). Ich bin für das Grundeinkommen. http://members.aon.at/sperl/sperl.html#ernst

     
  • wohnblog_at
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    Mehr Fragen als Antworten: Zwei Problemkreise ... Eigenen guten Lebensstandard als redlich erworben - daher gerechtfertigt und selbstverständlich - voraussetzen. Andere Menschen sind möglicherweise weit davon entfernt, obwohl auch sie sich nach ihren Kräften maximal darum bemühen. Die meisten Menschen verfügen nicht einmal über sachlich richtiges Basiswissen zur aktuellen Energiesituation, deren Vernetztheit mit anderen Ressourcenfragen und bekannten Lösungsansätzen: Stärken wir Menschen und Institutionen, die möglichst frei von Lobbyinteressen derartiges Wissen niederschwellig zu allen Menschen bringen und die dieses Wissen in konkrete Handlungen umsetzen.

     
  • schweinimweltall
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    die krisen werden nicht durch die "wirtschaft" ausgelöst sondern durch unsere netten "bankster" ... das sollte doch langsam jedem klar sein. darum ist hier jede diskussion über die witschaft und was mann an ihr ändern könnte völlig fehl am platz. es geht um die finanzmärkte und die geldschöpfung. würd mich da mal über ein paar gedanken von euch freuen :-)

     
  • schweinimweltall
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    hier geht es darum wie geld entsteht - macht euch da mal schlau - und nicht wie die wirtschaft grüner oder nachhaltiger wird .... ihr redet am thema vorbei

     
  • schweinimweltall
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    blasenbildung und finanzkrisen sind teil unseres geldsystems, da spielt es überhaupt keine rolle ob die autos mit benzin oder wasser fahren. solange unser geldsystem auf schulden aufgebaut ist könnt ihr regulieren und kontrollieren soviel und solange ihr wollt ... es bleibt es ein sklavensystem weil es nur neues geld gibt wenn ein schuldener dafür da ist - darum geht es. nicht wer was wie baut. finanzkrisen sind ein elementarer bestandteil dieses geld-schulden-systems und sie sind nicht vermeidbar ... egal wie "grün" die wirtschaft ist .....

     
  • fritzschiller
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    3. teil: die hier vorgestellten allgemeinen prinzipien "beschränken " sich auf teilaspekte, auf die bekampfung von wirkungen anstatt das problem bei der wurzel zu packen. ich hätte mir gewünscht, dass hier ein kapitel mit dem titel "demokratisierung und selbstverwaltung" aufgenommen werden würde. leider ist das nicht geschehen (sorry, wenn ich es auch übersehen haben sollte). der begriff der solidarischen wirtschaft und gesellschaft ist mir nicht aufgefallen.

     
  • fritzschiller
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    2. teil: es geht nicht darum die gier der sog. marktwirtschaft (2stellige renditen) zu kritisieren, es geht darum die prinzipiellen mechanismen zu kritisieren. die aktuelle finanzmarktkrise war nicht die erste krise! die uno spricht von über 100 (zitat habe ich leider nicht parat) finanzkrisen seit in etwa 20 jahren! daneben gab und gibt es noch "normale" rezessionen. ich hätte mir gewünscht, dass der aspekt der profitmaximierung des kapitalistischen systems stärker betont gewesen wäre. gerade in den zeiten der globalisierung ist die dynamik der profitmaximierung massiv angestiegen. leider gibt es auch keine allgemein gesellschaftlichen alternativvorschläge.

     
  • fritzschiller
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    vorweg, ich finde den zukunftskongress und die vorbereitung dazu eine äußerst gelungene initiative die zukunft in diesem land breit zu diskutieren. ich möchte hier insgesamt stellung nehmen, eine allgemeine diskussionsmöglichkeit ist mwn hier leider nicht gegeben. die meisten der hier vorgestellten thesen kann ich vorberhaltlos unterstützen, bei einigen sehe ich diskussionsbedarf, teilweise massiven. es ist klar, dass durch die festschreibung der 30 thesen eine strategische linie festgeschrieben ist. das sollte klar und deutlich kommunziert werden was leider nicht geschehen ist. was heisst das? es gibt keine kritik an der prinzipiellen art unseres wirtschaftens.

     
  • Stefan Mackovik
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    Zum Glück sind derzeit einige positive Entwicklungen zu bemerken: beispielsweise, dass in den USA plötzlich viel mehr Kleinwagen als Benzinfresser gekauft werden. Trotzdem muss man möglichst raschon fossilen Brennstoffen wegkommen, und gerade in Österreich und in der Welt müsste man VIEL STÄRKER Forschungen in Richtung alternativer Energien stärken. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass E-Autos und E-Mopeds auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wenn gleichzeitig die Energie dafür aus kalorischen Kraftwerken kommt.

     
  • founder
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    Gerade wird ein Stück vom wirklichen Eisberg sichtbar: IEA Ölprognosen auf Druck der USA geschönt. Aktuelle News Resultate über Google mit * IEA USA Ölvorräte * abrufen. Jetzt ist es Zeit Photovoltaikfabriken in höchster Verzweiflung aus den Boden zu stampfen, die Lithium Speichertechnik so ernst wie das Manhattan Projekt zu betreiben. http://wohnen.pege.org/2008-energie/