Die Finanzkrise ist nur die Spitze des Eisberges einer tiefgehenden Systemkrise.
Das tägliche Schnitzel ist nicht nur ungesund, sondern auch klimafeindlich. Die Landwirtschaft rückt stärker ins Zentrum der Klimapolitik.
Beispiel
VerbraucherInnen können über ihren Ernährungsstil einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und eine klimagerechte Landwirtschaft fördern. Fleisch und seine Produktion sind besonders kritisch für das Klima. Auf 30 Prozent der Weltagrarfläche werden Futtermittel angebaut, zugleich hungern Milliarden Menschen.Wer häufiger ökologisch, saisonal und regional einkauft, entlastet die Treibhausgasbilanz.
Zugleich ist auch ein Trend Richtung Selbstanbau zu registrieren, auch in Städten. Eigeninitiativen dieser Art sind durch Weiterbildungsangebote aber auch Flächen im Zuge städtischer Entwicklungs- und Siedlungsprojekte zu unterstützen.
Vorschlag
Die Landwirtschaft wird auf europäischer Ebene zentraler Teil der Klimaschutzpolitik.Biolandwirtschaft wird mittelfristig ebenso zum europäischen Standard wie eine kreislauforientierte, artgerechte und flächengebundene Tierhaltung (dabei ist die Anzahl der Tiere von der Fläche abhängig. Ökobetriebe halten nur so viele Tiere, wie sie auch von ihren Acker und Weideflächen füttern können). Generell ist die Fleischkonsumkultur in Österreich, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt massiv zu hinterfragen und zu thematisieren.
Bewertung
(-5 bis +5) Onlinediskussion
+3.03 Durchschnitt (Basierend auf 2267 Stimmen - 14.2.2010)
Sehr hohe Zustimmung. Dennoch Kontroverse rund um „Schnitzel“.
Diskussion
Die wohl auch medial am intensivsten diskutierte These traf zugleich auf die höchste Zustimmung. Sie wurde kontrovers diskutiert. Im Kern jedoch geht es einerseits um den Wandel der Landwirtschaft Richtung Nachhaltigkeit, artgerecht und ökologisch; andererseits um Fragen des Lebensstils und der Alltagskultur. Ist jener Wohlstand, wie ihn viele von uns jetzt leben, zukunftstauglich? Bewusster Konsum ist ein wesentlicher Aspekt. Am Beispiel „Schnitzel“: Es geht nicht um Zwang, sondern um den vernünftigen Umgang mit Fleisch. Und darum, dass zu viel davon weder dem Klima, noch der Gesundheit zuträglich ist. Weltweit ist die Landwirtschaft bzw. die Ernährungsfrage ein absoluter Kernbereich, geprägt von Machtinteressen und strukturellen Problemen. In der Diskussion wurde das Thema Welthunger stärker ins Zentrum gerückt.
Streifzug durch Statements:
- „Fleisch ist nicht gleich Fleisch“ - FleischesserInnen nicht pauschal runtermachen; auch Fleisch kann ökologisch verträglich produziert und konsumiert werden;
- Bewusst konsumieren (auf Produktionsbedingungen, Transportwege, etc. achten)
- Danke für den Mut, mit dem Schnitzel ein "Heiligtum" der österr. Kultur in Frage zu stellen!
- Fleischkonsum und (in noch höherem Ausmaß) Landwirtschaft sind beides Klimafaktoren;
- Laut FAO ist Viehzucht für 18% der Treibhausgase verantwortlich; wird, wie vom World Watch Institute, Regenwaldabholzung miteinbezogen, steigt der Anteil auf 51%.
- Es ist nachgewiesen, dass vollständig fleischlose Kost schädlich für den Körper ist.
- Es geht nicht darum kein Fleisch zu essen, sondern weniger und wie das Fleisch produziert wird.
- Grüne sollten auch ethisches Element von Fleischkonsum ansprechen – Stichwort: Speziezismus;
- Tierschutz hätte sich eigene These verdient (v.a. Tiertransporte müssen thematisiert werden);
- These birgt Gefahr der Bevormundung; Menschen müssen das Recht haben sich zu Tode zu essen
- Vollständiger Umstieg auf Biolandbau ist in Österreich nicht möglich, da Ernährungssicherheit damit nicht aufrecht erhalten werden könnte;
- Landwirtschaft hat entscheidenden Einfluss auf CO2-Bilanz – nicht Bio-Landwirtschaft, sondern nachhaltige, humusaufbauende Landwirtschaft muss gefördert werden;
- Ökologischer Fußabdruck ist bei CO2-Bilanz immer mitzudenken/miteinzubeziehen!
- Nutztierhaltung auf Österreichs Almen und in Ostösterreich ist wesentlich für Biodiversität verantwortlich – nur Biodiversität und erhaltene natürliche Ressourcen können helfen Klimaveränderungen zu bewältigen.
- Biologischen Fußabdruck für alle Produkte! Statt Mehrwertsteuer, den Fußabdruck besteuern;
- Ernährung der Menschheit ist die große Herausforderung des 21. Jh. - bis 2050 werden 9 Mrd. Menschen zu ernähren sein!
- Weltagrarrat schlägt Stärkung regionaler Landwirtschaft und Bewahrung kleinbäuerlicher Strukturen vor.
- Förderung der biologischen Landwirtschaft überall!
- EU-Agrarpolitik – Förderungen: hoher Verwaltungsaufwand; Förderungen kommen oft nicht dort an, wo sie hin sollten.
- Problem: Biosprit;
- Es geht nicht nur um weniger Schnitzel, sondern um Rechte der Tiere und Solidarität mit TierschützerInnen;
Gesunde grüne Landwirtschaft als Basis für gesunde Ernährung;
































- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackIch bin für die totale Abschaffung der Fördergelder im EU-Agrarhaushalt: Begründung: 1. Ca. 10-15 % des Budgets wird für Verwaltung/Recht benötigt. 2. Ca. 35 % geht in die Ländliche Entwicklung - Dorferneuerung, Straßenbau u. nicht in die praktische Landwirtschaft. 3. Nicht in der Urproduktion tätige Unternehmen kriegen auch Geld: Red- Bull, Lufthansa (ca. 4 Mio). 4. Österreichische Bauernbetriebe werden kreativ u. machen eine Betriebsteilung in der Familie - So können die einzelnen Förderpakete besser anzapfen u. fallen nicht in die Förderungskürzung aufgrund der Größe. Gleichzeitig bliebt mehr Spielraum für die Buchführungsverpflichtung-Also steuerschonendes Einkommen (Direktvermarkter)
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackSehr geehrter Herr Sperl,ein durchschnittlicher Bauer benötigt ca.12 Arbeitsstunde je Hektar und Jahr für Büro- und Feldarbeiten. Nehmen wir an, das ein Kleinbauer ca.30 Hektar Ackerland im Jahr bewirtschaftet, ist das eine Jahresarbeitsleistung von 360 Stunden.Ein normaler Arbeiter geht ca. 1800 Normalarbeitsstunden im Jahr arbeiten.Nach Ihrer Aussage soll jetzt der Kleinbauer mit Hilfe der Förderung aus der Steuerkasse soviel Geld bekommen, das er davon seine Existenz-und Lebenskosten leisten kann. Toller Vergleich!!! Die Österreichische Landwirtschaft ist schon heute nicht mehr wettbewerbsfähig-die Lebensmittelketten kaufen dort die Produkte ein, wo sie billig sind-Verbraucher willst so!
- Freund
- sagte 15.11.2009
BackWürd mich interessieren wo Sie die Zahlen her haben. Von den 4 Bauern die ich kenne bewirtschaftet keiner 30 Hektar. So große Flächen gibt es bei und gar nicht mehr. Ich denk der Begriff Kleinbauer ist da schon sehr relativ. Mag sein, dass das im Osten Österreichs so ist. Im Bergland jedoch nicht.
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackInfos über österreichische Landwirtschaft sind im Grünen Bericht des Bundes (www.landnet.at) oder auf Länderebene (z.B. www.noe.gv.at -> Landwirtschaft) einzusehen!
- Ernst Sperl
- sagte 15.11.2009
BackJe höher der Einkommensdruck, umso intensiver muss die Landwirtschaft betrieben werden. Je Intensiver die Landwirtschaft betrieben wird, umso klimaschädlicher. Die Umstellung von der Produktförderung auf die Flächenförderung war ein Schritt in die richtige Richtung. Der nächste Schritt soll Richtung Förderung pro Arbeitsplatz gehen. Förderungen, die mit der Produktionsmenge steigen, gibt es noch immer, zum Beispiel die Prämie pro Milchkuh in Oberösterreich. Gefördert werden sollte aber die Extensivierung. Ein Grundeinkommen (Negativsteuer) wäre für Kleinlandwirte die optimale „Förderung“ und erleichtert klimafreundliche extensive Landwirtschaft enorm. http://members.aon.at/sperl/sperl.
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackHier noch zwei interessante Links: Toxische Inhaltsstoffe in Kosmetik http://www.wahrheitssuche.org/kosmetik.html und „Geheimsache Bio - was die Ökobranche verschweigt“ http://www1.ndr.de/flash/mediathek/mediathek.html?media=panorama338
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackDie Nahrungsmittelqualität hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Jetzt ist der Punkt gekommen, wo seitens der Urproduktion nahrezu das Optimum erreicht wurde. Obwohl die landwirtschaftlichen Erzeugnisse seit je her auf einen niedrigen Preisniveau liegen und einen kleinen Rohstoffanteil im Endprodukt haben, versucht nun die Lebensmittelindustrie durch Substitute und Marketing ihre Gewinne weiterhin zu steigern. Medien machen natürlich auch dieses Spielchen mit, den diese Werbegelder sind wichtige Einnahmequelle.
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackWenn jemand behautet,das die heutige Landwirtschaft nicht nachhaltig ist - egal ob biologisch der konventionell...der hat aus meiner Sicht überhaupt keine Ahnung von der Materie. Als Landwirt halten wir das Erbe unsere Kinder in der Hand.D.h. sollten wir heute gerade in der Pflanzenproduktion einen Fehler machen oder jahrelang die Versorgung der Grundnährstoffe missachten, oder durch Pflanzenschutz verseuchen (auch Ökobetriebe z.B. Kupfereinsatz gegen Mehltau), so brauchten wir schon jetzt und aber auch für die Zukunft schon viel Zeit und geldlichen Einsatz um die Fehler zu beheben. Die konventionelle und biologische Landwirtschaft liegt nicht soweit auseinander, als man glaubt.
- Stromlieferant
- sagte 15.11.2009
BackDass die Landwirtschafts Betriebe bei uns nachhaltig produzieren mag ja wohl stimmen,. Aber man kann doch sicher Riesenbetriebe, auch in der EU nicht nachhaltig bezeichen. Da geht es doch meist nur um Gewinnmaximierung. Nachhaltig ist für mich nicht, wenn ein Betrieb hunderte oder vielleicht sogar tausende Schweine züchtet, und das Futter kommt aus Riesenfarmen in Südamerika.
- Biofix
- sagte 15.11.2009
BackHat eigentlich einer der bisherigen Beitragschreibenden einen direkten Bezug zur praktischen Landwirtschaft (Biologisch oder Konventionell im kontrollierten integrierten Pflanzenbau) Im mehr Personen mit den tödlichen Halbwissen, natürlich auch geprägt durch Politik und Medien, schließen sich dieser Diskussion an. Leider finden wir der Branche Landwirtschaft immer mehr Theoretiker als Praktiker. Gerade diese Branche zeigt,das gute Studienabgänger wieder in die Praxis zurück gehen und der Rest verteilt sich im Ministerium und Landwirtschaftskammer und Kontrolleure. Leider werden immer mehr Gelder für Studien und Wissenschaftler ausgegeben.Gelder die für größere innovative Projekte fehlen.