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These #17

Ohne Privilegienabbau und Umbau des Pensionssystems ist der Pensionsschock vorprogrammiert.

Jüngere gegen Ältere – das wäre der klassische Konflikt. Und tatsächlich zeigt ein Blick auf die soziodemographische Entwicklung, dass der Anteil der Menschen, die 60 Jahre und älter sind, deutlich steigen wird. Die Lebenserwartung ist deutlich höher als früher, zugleich ist die Geburtenrate vergleichsweise gering. Aber auch die Lebensweise hat sich geändert: Was früher in Lebensjahren als „alt“ galt, ist es heute nicht mehr zwingend. Zugleich fußt unser Pensionssystem auf alten Annahmen. Es geht davon aus, dass Menschen ihr gesamtes Leben über kontinuierlich in einem Beschäftigungsverhältnis stehen und schützt daher nicht vor Altersarmut. Es verteilt die Mittel ungerecht zu Gunsten derer, die ohnehin bereits hohe Ansprüche haben. Insofern lautet der Konflikt nicht „Jung gegen Alt“, sondern „Alt gegen Alt“, aber auf Kosten der jüngeren BeitragszahlerInnen.

Beispiel

Trotz eines gesetzlichen Pensionsalters von 65 Jahren liegt das tatsächliche Antrittsaltern bei Männern bei 58,9 Jahren. Die Kluft ist damit größer als in den meisten anderen europäischen Staaten. Zugleich haben die ÖsterreicherInnen jedoch die längsten faktischen Versicherungszeiten sowie die längsten faktischen Wochenarbeitszeiten in der EU. Das Problem liegt somit nicht nur im Pensionssystem, sondern im Umgang mit Erwerbsarbeit, insbesondere im Alter.
Arbeitgeberseitig erwünschte Frühpensionierungswellen (etwa in der ÖBB), Golden Handshake mit Mitte 50 (etwa im ORF), zugleich ein Arbeitsmarkt, in dem man mit Anfang 50 als schwer vermittelbar gilt, tragen das ihre dazu bei. Unser Verhältnis zu Arbeit und Alter muss sich ändern. Der Pensionsschock ist übrigens nicht nur ein finanztechnisches Thema, sondern auch eine psychische Belastung.

Vorschlag

Oberstes Ziel muss es sein, Altersarmut zu verhindern. Daher ist die Grundsicherung eine Grundsäule eines zweistufigen Pensionssystems. Darauf aufbauend gibt es eine Pension aus Beiträgen nach Erwerbsarbeit. Beide Pensionsteile werden gemeinsam ausbezahlt, können aber die Höchstpension nicht übersteigen. Eine weitere wesentliche Säule für mehr Pensionsgerechtigkeit ist die Abschaffung sehr österreichspezifischer Pensionsprivilegien und die Vereinheitlichung der Pensionssysteme.

Ziel einer nachhaltigen Politik muss es daher sein, Erwerbsarbeit in der Aktivphase gerechter zu verteilen, den Arbeitsstress für den einzelnen zu reduzieren und Menschen so eine gesündere Erwerbsphase zu ermöglichen. Eine Reduktion der Überstunden, sozial abgesicherte Sabbaticals und Zeiten für Ausbildung und Qualifikation sind ein Mittel, dies zu erreichen. Eine Senkung der faktischen Wochenarbeitszeit ebenso.



Bewertung

(-5 bis +5) Onlinediskussion
+1.48 Durchschnitt (Basierend auf 642 Stimmen – 14.2.2010)
Kontrovers zum Titel der These; weitgehender Konsens bei Argumenten für Vorschläge (die jedoch variieren).

Diskussion

Es gibt weitgehend keine Diskussion „Jung gegen Alt“, sondern “Arm gegen Reich“.  Sowohl Mindestsicherung, wie auch Grundeinkommen werden in die Diskussion gebracht. 45 Jahre bzw. 40 Jahre Arbeit sind genug, ist ebenso eine wiederholte Forderung. Z.T. wird die Sorge um die Finanzierbarkeit des Pensionssystems geäußert. Vorschläge gibt es u.a. dazu, dass in den kommenden Jahren keine bzw. kaum prozentuellen Anhebungen erfolgen sollten, sondern primär Fixbeträge beschlossen werden, um insbesondere die niedrigen Pensionen anzuheben.

Streifzug durch Statements

  • 40/45 J. sind genug!
  • „Arm gegen Reich“ statt „Jung gegen Alt“;
  • Gesundheitsvorsorge, gezielte Zuwanderung junger ArbeitnehmerInnen, private Pensionsvorsorge sind notwendig, um Zusammenbruch des Pensionssystems zu verhindern;
  • Mindestsicherung!
  • Grünes Pensionsmodell sieht Grundpension für alle ab 65 vor;
  • Vorschlag: Einheitspension: Jede/r bekommt die gleiche Mindestpension ausbezahlt, jährlich angepasst an den Index. Bezahlen muss jedoch jede/r ihren/seinen prozentualen Anteil.
  • Grundeinkommen als Lösung des Pensionsproblems; oder Generationenvertrag auslaufen lassen und durch Steuerfinanzierung der Pensionen ersetzen (siehe Schweden);
  • Frühpensionen stoppen; Frühpension dient nur zum Schönfärben der Arbeitslosenzahlen;
  • Demgegenüber steht die Problematik älterer ArbeitnehmerInnen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können und ohne Frühpension in ein unmenschliches AMS-System gepresst werden, das ihnen nicht aus ihrer Lage helfen kann;
  • Kritik zur Verlängerung der Hacklerregelung?
  • „Wer 45 Jahre gearbeitet hat, soll in Pension gehen können.“
  • Arbeitsmarkt entwickeln, auf dem ältere ArbeitnehmerInnen nicht mehr ausgegliedert werden.
  • „Ich halte nichts davon Pensionsprivilegien zu thematisieren. Man geht damit genau in die Falle derjenigen, die die staatliche Pension einschränken wollen. Pensionen bei öffentlichen Bediensteten, diese gehören harmonisiert mit den anderen BezieherInnen. Keine Frage!“
  • „Wertschöpfungsabgabe als Basis der Pensionsfinanzierung;“
  • „Die Phase der Arbeitslosigkeit zwischen Erwerbsleben und möglichem Pensionsantritt verursacht dramatische Kostensteigerungen, die das soziale System insgesamt belasten. Ein effektives und effizientes Generationenmanagement im Erwerbsbereich ist eine wichtige Voraussetzung zur Generationengerechtigkeit und eine dringende Maßnahme, um das Pensionsproblem bereits im Vorfeld zu lösen.“
  • Wann kommt man endlich von prozentuellen Erhöhungen von Pensionen oder Gehältern weg? Sie erhöhen ohnehin angewachsene Unverhältnismäßigkeiten!
  • „Einkommenserhöhungen als Mix aus prozentueller Erhöhung und Fixbetrag (z.B. pro Prozentpunkt 10 Euro zusätzlich)“
  • Für zugewanderte Frauen werden die Kindererziehungsjahre NICHT anerkannt, wenn die Kinder bei Zuwanderung älter waren als 4 Jahre. Obwohl die meisten zugewanderten Frauen und Kinder später eingebürgert werden und (Pensions-)Beiträge zahlen!

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Statistik

 
1.39 Durchschnitt
Basierend auf 702 Stimmen

  • fritzschiller
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    eines muss klar sein: 40 jahre sind genug! die menschen sind nicht zum arbeiten da, sie sind zum leben da! sie wollen auch (berechtigerweise) nicht so lange arbeiten. das bevölkerungsentwicklungargument ist nur ein teil, der zweite ist der völlig vernachlässigte teil der produktivitätsentwicklung und der dritte teil sind die anderen finanzierungsmöglichkeiten (z.B. vermögenssteuer, vermögenszuwachssteuer, schenkungs- und erbschaftssteuer etc.). eine öffentliche pension ist zu finanzieren, z.b. auch wenn man/frau die förderungen für die privaten pensionsvorsorgen (die nur der begüterten bevölkerungsschicht zugute kommen) streicht.

     
  • fritzschiller
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    mit gefällt der titel nicht: "ohne privilegienabbau ...". vorweg ich werde eine pension nach asvg/apg beziehen. ich halte nichts davon pensionsprivilegien zu thematisieren. man/frau geht damit genau in die falle derjenigen, die die staatliche pension einschränken wollen. in der tat gibt es höhere pensionen bei öffentl bediensteten, diese gehören harmonisiert mit den anderen beziehern. keine frage! die aktuelle diskussion dreht sich jedoch um ganz andere prioritäten: die abschaffung der langzeitversicherten regelung (hacklerpension) bzw. (schwelend) die erhöhung des pensionsantrittsalters auf 67 jahre.

     
  • Markus_Gonaus
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    Wenn wir von Nachhaltigkeit reden, muss uns klar sein, dass wir die Bevölkerungszahlen reduzieren müssen. Es steht uns also ein Jahrhundert bevor, in dem immer mehr Alte als Junge da sein werden. Daher gilt es das Pensionsystem auf neue Füße zu stellen. Ich postuliere mal, dass es solange die Produktivität hoch genug ist, um ausreichend Waren und Dienstleistung zu produzieren, eine reine Verteilungsfrage ist. Und wenn man sich nicht auf ein Kapitaldeckungsverfahren mit seinen unsäglichen Spekulationszwängen verlassen will, dann wird an einer Wertschöpfungsabgabe als Basis der Pensionsfinanzierung kein Weg vorbei führen.

     
  • rm2000
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    Pension ist dann toll, a) wenn in einem System die Alten einfach entsorgt werden können b) diejenigen, die etwas geleistet haben über 50 Jahre in den wohlverdienten Ruhestand treten und zwar frühestens mit 65 Jahren und normaler Weise mit 70 und für die die wollen und können Kein Pensionszwang! Ich bin für b)

     
  • BirgitMeinhard
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    Grundsätzliches zuerst: Altenpolitik ist eine Herausforderung, der sich die Grünen stellen müssen. Der Stellenwert von Jugendpolitik und Altenpolitik stehen gleichermaßen auf der politischen Grünen Top-Liste. Pensionsfragen dürfen weder von Altenpolitik noch von Jugendpolitik getrennt werden, wollen sie generationengerecht sein. Der/die verantwortliche Sozial- und ArbeitsministerIn müssen dafür verantwortlich sein, Arbeitsmarktmaßnahmen und – modelle zu entwickeln, die die Ausgliederung älterer ArbeitnehmerInnen aus dem Erwerbsleben verhindern. Die Phase der Arbeitslosigkeit zwischen Erwerbsleben und möglichen Pensionsantritt verursacht dramatische Kostensteigerungen, die das soziale System insgesamt belasten. Ein effektives und effizientes Generationenmanagement im Erwerbsbereich ist eine wichtige Voraussetzung zur Generationengerechtigkeit und eine dringende Maßnahme, um das Pensionsproblem bereits im Vorfeld zu lösen. Im Sinne der Generationengerechtigkeit dürfen Arbeitsplätze, die vor allem für junge Menschen zur Verfügung gestellt werden, nicht durch Freiwilligenarbeit blockiert werden. Besonders ältere Menschen, die entweder regulär in Pension gegangen sind oder frühpensioniert wurden, werden über diesen Umweg wieder in das Erwerbsleben eingeschleust, um ihre hochwertige Qualifikation nützen zu können. PensionistInnen sind keine Reservearmee für den Arbeitsmarkt und müssen, wenn sie Erwerbsarbeit ausüben, dafür regulär bezahlt werden. Damit können sie wieder einen Beitrag zum Pensionssystem leisten, bzw. wird von der Wirtschaftsseite die missbräuchliche Verwendung von kostenlosen Arbeitskräften dezimiert. Wenn die missbräuchliche Verwendung der PensionistInnen damit eingeschränkt wird (entweder bezahlte Tätigkeit für PensionistInnen oder bezahlte Arbeitsverhältnisse für Jüngere), können im Sinne der Generationengerechtigkeit bessere Verhältnisse für alle geschaffen werden.

     
  • handyman
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    Genau daran wird Österreich zerbrechen.

     
  • Freund
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    @Ibolya: da gibt es einfach einiges zu verbessern. Das geht sicherlich auch nicht von heute auf morgen. So wie die Politik allerdings zur Zeit läuft gehen wir eh in die falsche Richtung. Deshalb nutzen wir diese Plattform und gestalten wo es geht die Zukunft mit.

     
  • Ibolya Olivares Alfaro
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    @ Freund: Selbständig machen: Das tun eh schon sehr viele Leute, als Flucht aus dem Arbeitslosigkeit ( bin selbst EPU -Unternehmerin).Aber diese Selbständigkeit oft nur ein Scheinsselbständigkeit! In Wahrheit , durch zB. Werkverträge (Buchhalter, Dienstleister, Mechaniker, uzw) die EPU Unternehmer nur eine massive Lohnverlust, größere verlust von Soziale Sicherheit erleiden müssen.Es ist eine bewuste Verdrängung von fix Eingestellten, und Gewinnmaximierung von Wirtschaftsbetreibenden! Bei EPU gibt keine Krankenstand, keine Urlaubs/Weihnachsgeld, kein Pendler-Pauschal. 20 % Beitrag beim Arztbesuch, uzw.Und die Einkommen nur so beim 500-2000 Euro im Regel

     
  • Ibolya Olivares Alfaro
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    @Freund: "Ich bin der Meinung, dass fast jeder Menschen arbeiten kann. Sicherlich in unterschiedlichem Ausmaß, je nach Gesundheitszustand. Aber eine Beitrag zu leisten, sollte jedem möglich sein." Sicherlich! Aber dazu MÜSSEN die (größere) Unternehmer, und unsere Gesellschaft umdenken lernen! Auf langfristige Gewinne denken und nicht nur auf schnelle "absahnen". Der 56 Jahrige Schlosser hätte gern auch noch ein Job! Er könnte noch sitzend zB.Kleinteile zusammenfügen, Dinge reparieren, am PC Daten eingeben uzw. So 5-6 Stunde am Tag . Aber gibt keine solche Firmen, welchen ihn derart beschäftige würden! Es mangelt an Behinderten/Alten gerechte Jobs!

     
  • huber
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    Und warum haben auch die GrünInnen vor einem Jahr der Verlängerung der Hacklerregelung im Parlament zugestimmt und damit mitbeschlossen???