Die Finanzkrise ist nur die Spitze des Eisberges einer tiefgehenden Systemkrise.
Wider den kollektiven Burnout: Die Arbeitswelt der Zukunft schafft mehr Freiraum, Demokratie, Sinn und Gerechtigkeit.
Wir können und sollen es uns als Gesellschaft leisten mehr als „Hauptsache Arbeit- egal um welchen Preis“ als politisches Ziel zu verfolgen. Erwerbsarbeit ist zu wichtig, um sie schlecht zu gestalten. Andere Bereiche des Lebens sind zugleich zu wichtig, um sie der ausschließlich Erwerbsarbeit zu opfern. Menschen sollen die Möglichkeit haben, jene Arbeit zu machen, die ihnen wirklich liegt, sie sollen genug Ressourcen bekommen und Spielraum, um diese zu finden und diese auch zu wechseln und immer wieder auch Auszeiten nehmen zu können.
Beispiel
Arbeit ist nicht nur Erwerbsarbeit, also bezahlte Arbeit, Arbeit ist auch Reproduktionsarbeit (Hausarbeit und Betreuung), ehrenamtliches Engagement, also unbezahlte Arbeit. Daher wird es immer genug Arbeit für alle geben. Beide, unbezahlte und bezahlte Arbeit sind aber sehr ungerecht verteilt. Für die bezahlte Arbeit gilt: wenige arbeiten immer mehr und immer mehr arbeiten unfreiwillig immer weniger zu immer geringeren Einkommen oder gar nicht mehr bzw. nur sporadisch. Unbezahlte Arbeit ist nach wie vor in erster Linie Frauensache, solange dies so bleibt, wird und kann es auch keine volle Gleichstellung in der bezahlten Arbeit geben.Vorschlag
Es braucht eine flächendeckende Normal-Arbeitszeitverkürzung. Es braucht mehr Mitbestimmung und Autonomie der Beschäftigten im Bezug auf Gestaltung ihrer Arbeit und ihrer Arbeitszeiten. Ein angemessener gesetzlicher Mindestlohn und entsprechende Richtlinien auf EU-Ebene sind ebenso Teil des neuen, menschenfreundlichen Verhältnisses zur Arbeit. Über die Fortentwicklung unseres Grundsicherungsmodells soll erreicht werden, dass man auch von unbezahlter gesellschaftlich wichtiger Arbeit leben kann bzw. nur zu einem Teil bezahlt arbeiten muss. Nicht alle Menschen können am Erwerbsarbeitsmarkt Fuß fassen, anstatt sie jahrelang mit sinnlosen Bewerbungstrainings zu quälen und sie dann ganz an den Rand zu stellen, sollten sie sinnvollen Tätigkeiten in geschützten (auch ehrenamtlichen Bereichen) aber auch im öffentlichen Sektor nachgehen können.Bewertung
(-5 bis +5) Onlinediskussion
+1.40 Durchschnitt (Basierend auf 632 Stimmen – 14.2.2010)
Weitgehender Konsens zur These. Unterschiedliche Vorschläge und Zugänge zur Zielerreichung. Kontrovers zur Arbeitszeitverkürzung.
Diskussion
Die Zukunft der Arbeit ist der Schlüssel. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Verteilung von Arbeit. Während ein Teil der DiskutantInnen in der Arbeitszeitverkürzung das richtige Instrument sieht, ist es für andere vorerst unrealistisch. Wiederholt wird das Grundeinkommen vorgeschlagen. Auch das Problem der Überstunden, bei denen Österreich führend ist, bzw. ihrer Kosten, wurde thematisiert.
Der Ausbau der betrieblichen Demokratie wurde ebenso am Zukunftskongress vorgeschlagen.
Streifzug durch Statements
- Arbeit anders definieren;
- Erwerbsarbeit )
- Ehrenamtliche Arbeit ) gleich verteilen
- Pflege/Kinder )
- Gesellschaft besteht aus mehr als Erwerbsarbeit;
- Arbeit anders verteilen. Es gäbe sinnvolle Arbeit mehr als genug – was wir brauchen ist eine andere Verteilung.
- Kollektiver Burnout kommt v.a. davon, dass unter dem Deckmantel der Rationalisierung zu viele Leute entlassen wurden und damit viele Betriebe unterbesetzt sind.
- Arbeitszeitverkürzung nicht sinnvoll (Pensum ist zu bewältigen und Arbeitsplatzschaffung wäre nur einmal wirksam; problematisch sind die Fälle, in denen viele Überstunden zu leisten sind)
- Arbeitszeitverkürzung sinnvoll; positiv für Familien; mehr Freizeit bedeutet auch mehr Geld für Wirtschaft;
- Verkürzung ist für Selbständige eine Illusion;
- Strafsteuern für Unternehmen, die MitarbeiterInnen entlassen, aber Gewinne schreiben; damit weniger unentgeltliche Überstunden -> weniger Burnout
- „Steuerliches Bestrafen von Überstunden.“
- „Firmen haben gegenüber ArbeitnehmerInnen zu viele Rechte und die Politik schaut zu.“
- „Jede/r sollte soviel arbeiten wie sie/er will. Es ist klar, dass nicht alle das Gleiche leisten können, aber es müssen auch nicht alle das Gleiche leisten.“
- ÖsterreicherInen machen europaweit die meisten Überstunden – nicht gesund; und zusätzlich profitieren v.a. Unternehmen, da Überstunden de facto oft gratis geleistet werden.
- Arbeitsrecht wieder verbessern (Flexibilisierungsmaßnahmen rückgängig machen);
- Bedingungsloses Grundeinkommen!
- Grundeinkommen könnte Druck aus der Arbeitswelt nehmen (Druck = Angst um Arbeitsplatz);
- Grundeinkommen macht Arbeitszeitverkürzung unnötig, da die Menschen damit ihre Arbeitszeit freiwillig verkürzen wollen.
- Betriebliche Demokratie stärken;
- Beirats-Struktur schaffen (NGOs, KundInnen, ExpertInnen, RV...);
- Durch unsere Arbeitswut machen wir die Welt kaputt;
- Durch Arbeit entstehen (hoffentlich) Werte, aber kein Geld! Änderung der Geldentstehungs- (Geldschöpfungs-)mechanismen.
Leistungsgesellschaft wird fast immer über Arbeit definiert;
































- Ernst Sperl
- sagte 15.11.2009
Backzum These#19 - Vorschlag „angemessener gesetzlicher Mindestlohn“: Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen (Negativsteuer) brauche ich keinen gesetzlichen Mindestlohn. Das Grundeinkommen schafft den Freiraum für alle, das zu tun, was ihnen „lustig“ ist. Auch Arbeit, die schlecht bezahlt ist. Ein Mindestlohn „verbietet“ diese Arbeit. Je höher der gesetzliche Mindestlohn pro Stunde/Monat, umso höher ist der Arbeitsdruck und umso früher kommt der „kollektive Burnout“. http://members.aon.at/sperl/sperl.html#ernst
- Ernst Sperl
- sagte 15.11.2009
Backzum These#19 - Vorschlag „Es braucht eine flächendeckende Normal-Arbeitszeitverkürzung“: Bedingungsloses Grundeinkommen (Negativsteuer) bringt eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung, weil die wenigsten Menschen gar nichts arbeiten wollen aber die meisten weniger als jetzt. Ein gesetzlicher Zwang zur Arbeitszeitverkürzung ist dann nicht mehr notwendig. http://members.aon.at/sperl/sperl.html#ernst
- Ernst Sperl
- sagte 15.11.2009
BackWider dem kollektiven Burnout: Es muss der Druck aus der Arbeitswelt heraus. Das gelingt nur, wenn keine Angst um den Arbeitsplatz besteht. Die Angst ist weg, wenn 1. ich jederzeit einen neuen (guten) Arbeitsplatz finde und/oder 2. ich keine Erwerbsarbeit brauche Mit dem Grundeinkommen (Negativsteuer) nehme ich Druck aus der Arbeitwelt 1. weil viele ihren Einsatz für Erwerbsarbeit reduzieren wollen (und auch ein paar nicht arbeiten wollen) und damit den Arbeitsplatz für diejenigen frei machen, die arbeiten WOLLEN 2. weil das Grundeinkommen den Schrecken der ungewollten Arbeitslosigkeit verringert. Die Erwerbsarbeit ist dann nicht mehr NOTwendig. http://members.aon.at/sperl/sperl.html#ernst
- Jonathan
- sagte 13.11.2009
Backdie zeit ist überreif für das bedingungslose grundeinkommen!
- founder
- sagte 13.11.2009
BackDas bedienungslose Grundeinkommen kann es geben, wenn es fast keine Arbeit mehr gäbe. Sobald aber die nächste Ölkrise zuschlägt werden wir vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen. Einer Zivilisation nicht auf Sand, viel schlimmer noch auf Öl gebaut. Über ein Grundeinkommen können wir nach den Wiederaufbau nach denken. http://wohnen.pege.org/2008/auf-sand-gebaut.htm
- Christian Schreiter
- sagte 14.11.2009
BackJa, das sehe ich auch so. Leider wird das (auch von Seiten der Grünen) nur sehr selten angesprochen.
- Christian Apl
- sagte 15.11.2009
BackVor allem vor dem Hintergrund, dass es notwendige Arbeit angesichts von z.B. Klimawandel, Hungerkatastrophen, Armut im Übermaß gibt und aber nur die Arbeit - meist noch dazu mehr schlecht als recht - bezahlt wird, die irgendwem Profit einbringt. Der Arbeitsmarkt ist durch das gegenwärtige "Anreizsystem" völlig entstellt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde wohl dazu beitragen, das wieder zu entzerren und Ressourcen freisetzen, um die notwendigerweise anstehende Arbeit endlich auch zu erledigen zu können.
- Karl Graschitz
- sagte 7.11.2009
BackDie Grünen wollen noch mehr Verwaltungsaufwand mit ihrer "bedarfsorientierten und lebenslagenbezogenen Grundsicherung": "Die Grüne Grundsicherung soll das bestehende soziale Sicherungssystem ergänzen, wenn auf Grund fehlender oder zu geringer Erwerbseinkommen, fehlender oder zu geringer Sozialtransfers oder auch sonstiger Einkommen Armut droht und damit gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr Gewähr leistet ist." (Grundsatzprogramm der Grünen, Juli 2001: 36) Sozialpolitisch ist diese Thesensammlung ein Wüste..
- rm2000
- sagte 3.11.2009
BackNicht jeder Job ist toll, nicht jeder Mensch arbeitet selbständig und mit Verantwortung, aber dass die richtig gemachte Arbeit für A+F ist hängt in erster Linie mit dem Ziel ab das vermittelt wird.
- handyman
- sagte 27.10.2009
BackTatsächlich werden die Jobs in Österreich immer weniger werden. Abhilfe schaffen nur neue Technlogien, die auch Geld erzeugen können. Eine reine Umverteilung oder Werbung für fremdes Geld hat in der Vergangenheit einmal gut funktioniert, kann jedoch mit zunehmender Rezession einfach nicht mehr funktionieren. In Österreich wird das zu spät erkannt werden.