Die Finanzkrise ist nur die Spitze des Eisberges einer tiefgehenden Systemkrise.
Österreichs politisch-wirtschaftliche Machtstrukturen sind nicht zukunftsfähig.
Die Finanzkrise hat auch gezeigt, dass das blinde Vertrauen in Akteure des Finanzmarktes zur völligen Selbstaufgabe von Politik führt – bis zu dem Moment, wo Krisenmanagement notwendig wurde. Die Politik hat Macht abgegeben und Gestaltungskraft verloren. Dies ist kein österreichisches Phänomen, jedoch sind in Österreich die Personen-Netzwerke insbesondere im Banken- und Versicherungsbereich sehr dicht, die Verflechtungen sehr groß. Entscheidungen können auf kurzem Wege getroffen werden. Nicht immer im Sinne der Öffentlichkeit bzw. des „Gemeinwohls“.
Beispiel
Föderale Strukturen, hohe Medienkonzentration, dichte Netzwerke. Landeshauptleute üben Einfluss auf „ihre“ ORF-Landesstudios aus, Konzernbosse „wünschen“ sich Bundespräsidentschaftskandidaturen, enge Freundschaften prägen das Verhältnis zwischen den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik: Netzwerkanalysen zeigen, dass die Netzwerke der handelnden Personen in Österreichs Wirtschaft und Politik sehr dicht und insbesondere männlich dominiert sind. Auch diese Kultur gehört im Sinne von Gleichberechtigung, Gerechtigkeit aber auch Gestaltungsfähigkeit und gesellschaftlicher Repräsentation durchbrochen.Vorschlag
Braucht Österreich neun mächtige Bundesländer? Letztlich nein! Zwischen europäischer Ebene, Bund und Gemeinden ist die Rolle der Länder zu hinterfragen. Der gordische Knoten bei der Staatsreform muss endlich gelöst, insbesondere föderale Strukturen aufgebrochen werden. Ziel jeder Reform muss eine bessere Aufgabenerledigung des Staates sein – zu geringeren Kosten. Dabei geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Mitwirkungsrechte der BürgerInnen an staatlichen Entscheidungen. Es gilt die Zuständigkeitszersplitterung, die alleine unter dem Blickwinkel der Besitzstandswahrung von Ministerien, Abteilungen und externen Institutionen bzw. Bund, Ländern und Gemeinden aufrechterhalten wird, zu beenden.Bewertung (-5 bis +5) Onlinediskussion
+1.65 Durchschnitt (Basierend auf 826 Stimmen – 14.2.2010)
Weitgehender Konsens.
Diskussion
Der These selbst wird weitgehend zugestimmt – mit Fragezeichen beim Hinterfragen der Bundesländer. Die Rolle der einzelnen Gebietskörperschaften ist umstritten. Jedenfalls bedeutsam ist die Bedeutung der europäischen Ebene. Aber auch eine Stärkung der Regionen (bei gleichzeitiger Schwächung der Nationalstaaten) ist eine Möglichkeit der Weiterentwicklung. Gefordert werden in der Diskussion u.a. ethische Standards und z.B. Hearings für SpitzenpolitikerInnen & -managerInnen.
Streifzug durch einzelne Statements:
- „Antithese zu 2: in Zukunft brauchen wir eine starke EU und selbstbewusste Regionen. Die Nationalstaaten sind obsolet.“
- „Selbstherrlichkeit von Häupl und Pröll muss im Wiener Wahlkampf thematisiert werden“;
- Seilschaften werden oft nicht wahrgenommen, da Interesse an Politik zu wenig ausgeprägt ist;
- Vernetzung von Politik und Wirtschaft macht Sinn, da damit Arbeitsplätze entstehen können; Verwaltungsapparat muss aber abgespeckt werden;
- Antwort: gerade diese Vernetzung ist das Problem;
- Länder beibehalten, dafür innerhalb der EU Staaten abschaffen;
- Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer streichen – Verwaltungskompetenzen in die Bezirke;
- Bundesländer abschaffen. Die Bundesländer haben - ohne überhaupt noch von überbordender Verwaltung oder Reformunwillen zu reden - keine ernst zunehmende Daseinsberechtigung.
- Boulevardmedien „entpolitisieren die Menschen und tragen damit zur Erhaltung des Status Quo bei“ (Kapitalwirtschaft profitiert von formaldemokratischem System) – Demokratie stärken heißt „Medien radikal zu entflechten“;
- Grüne Politik ist eine Politik grundlegenden Respekts, die sowohl Respekt vor der Umwelt, Respekt vor den anderen, als auch Respekt vor sich selbst beinhaltet. Eine Politik grundlegenden Respekts ist eine Politik, die bewusst hinsieht, hinhört und mitfühlt, es ist aber auch eine Politik, die anderen erlaubt hinzusehen, also eine Politik der gelebten Transparenz.
- Handlungsbedarf besteht da unter anderem bei der Flächenwidmung: Solange es diesbzgl. nicht einen restriktiven Rahmen von den Ländern (oder sogar dem Bund) gibt, ist die Kompetenz auf Gemeindeebene eine, die zu sehr hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten führt (Zersiedelung ländlicher Räume). Bürgermeister und Gemeinderäte sind da politisch leicht "erpressbar" und lassen sich zwecks zukünftiger Wählerschaften auch gerne "erpressen".
































- georgwilli
- sagte 15.11.2009
BackIris Ullmann und ich wollen, dass es zu den 30 Thesen eine Präambel gibt: Es braucht einen Unterbau, der grüne Politik erklärt. Unser Vorschlag: Grüne Politik ist eine Politik grundlegenden Respekts, die sowohl Respekt vor der Umwelt, Respekt vor den anderen, als auch Respekt vor sich selbst beinhaltet. Eine Politik grundlegenden Respekts ist eine Politik, die bewusst hinsieht, hinhört und mitfühlt, es ist aber auch eine Politik, die anderen erlaubt hinzusehen, also eine Politik der gelebten Transparenz.
- Wolfgang Zinggl | Gruener Kultur- und Minderheitensprecher
- sagte 14.11.2009
BackImmer stärker verbinden sich Medien mit Wirtschaftsinteressen. Sowohl in direkter Form der zentralisierten Eigentumsverhältnisse als auch durch die Abhängigkeiten von Finanzierungen durch Werbungen. Das alles funktioniert, wenn die Bevölkerung entpolitisiert bleibt. Dabei profitieren die Interessen der Kapitalwirtschaft, nämlich die der Gewinnmaximierung, vom Vorhandensein eines formaldemokratischen Systems. Aus diesem Grund liefern vor allem die leichten, schnellen Boulevardemedien eine Kost, die vor allem der Erhaltung des Status Quo dient. Demokratie zu stärken heißt dem gemäß, die Medien radikal zu entflechten. Aber wer traut sich da drüber?
- clavacs
- sagte 10.11.2009
BackBundestagswahl 210 - Ich kandidiere ... Hallo ihr Grünen! Gebe hier meine Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl bekannt: www.mitwirken.eu Denke meine Intentionen passen hier treffend ... Gruß nach Wien Johann (Hans) Klawatsch
- RudiD
- sagte 5.11.2009
BackJa, zu einer "bessere(n) Aufgabenerledigung des Staates" u.a. durch eine zweckmäßigere Kompetenzaufteilung. Handlungsbedarf besteht da unter anderem bei der Flächenwidmung: Solange es diesbzgl. nicht eine restriktiven Rahmen von den Ländern (oder sogar dem Bund) gibt, ist die Kompetenz auf Gemeindeebene eine, die zu sehr hohen gesamtwirtschaftlicher Kosten führt (Zersiedelung ländlicher Räume). Bürgermeister und Gemeinderäte sind da politisch leicht "erpressbar" und lassen sich zwecks zukünftiger Wählerschaften auch gerne "erpressen". Deshalb Verlagerung dieser Kompetenz auf eine andere/höhere Ebene.
- RudiD
- sagte 5.11.2009
BackZu hinterfragen ist auch die Rolle der Gemeinden, insbesondere von Minigemeinden. Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit anstelle des Geld verschwendenden "Bürgermeisterwettwerbs" z.B. um Betriebe (u.a. wegen der Kommunalsteuer), für die dann in jeder Gemeinde Gewerbegebiete mit Infrastruktur ausgestattet werden, wäre anzustreben. Voraussetzung dafür ist ein innerregionaler Finanzausgleich.
- Josef2
- sagte 5.11.2009
Backklar ist, dass es bürgernahe Einheiten für Bereiche braucht, die sehr nahe am Bürger sind und dort besser gelöst werden können, als auf einer übergeordneten Ebene. Gleichzeitig braucht es eine übergeordnete Ebene für zentralere Themen wie etwa Außenpolitik oder Verteidigung. Themen also, wo regionale Zersplitterung keinen Sinn macht. Wo in diesem Schema die Länder ihren Platz haben...? das fragt man sich wohl zu Recht. Die Bundesländer haben - ohne überhaupt noch von überbordender Verwaltung oder Reformunwillen zu reden - keine ernstzunehmende Daseinsberechtigung. logische Konsequenz: Weg damit!
- rm2000
- sagte 3.11.2009
BackÖsterreich ist in diesem Zusammenhang viel zu kurz gedacht- hier geht es darum, dass eine Politik als zumindest europäisch gedacht wird und nicht im Klein-Klein der regionalen und einzelstaatlichen Interessen erstickt. (Hat mit Realpolitik zugegeben wenig zu tun!)
- Tristan
- sagte 31.10.2009
BackIn der Analyse klar und richtig: Vom Verwaltungsapparat her ist Ö stark überdimensioniert. Als Gegenargumente bleiben aber nicht so unwesentliche Gedanken: die kleineren Verwaltungseinheiten werden als "den Menschen näher" empfunden, auch basisdemokratische oder spotane Bewegungen können auf Gemeinde- oder Landesebene weitaus mehr Einfluss ausüben, als auf Bundes- oder gar europäischer Ebene. Die große Zentralisierung macht das "Verwaltungssystem" effizienter - aber die Frage ist dabei, ob diese Effizienz so nützlich ist -im Angesicht der Unzähligen Dummheiten, die sich das Gemeinwesen Republik Ö schon so geleistet hat. Und nicht zuletzt: Wohin mit den Bediensteten der Länder und Gemeinden?
- handyman
- sagte 27.10.2009
BackDie vorgeschlagenen Methoden sind keine Lösung des Problems. Vielmehr sind es Innovationsförderung, Technologieverständnis und Umweltbewustsein. Ein solches kann nur durch Überzeugung gewonnen werden.
- Roland_S
- sagte 26.10.2009
BackAls erster Schritt gehört die Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer ersatzlos gestrichen! Da wir Österreicher aber leider monarchistisch geprägt sind werden wir weiter die Bundeslämder und einen Landeshauptmann brauchen. Es genügt aber eine Identifikationsfigur ohne echte Macht. Die meisten Verwaltungskompetenzen der Länder gehören in die Bezirke, dort sind sie dann auch näher am Bürger. Dafür müsste der Bezirkshauptmann direkt gewählt werden. Langfristig stimme ich rolypoly zu: Irgendwann werden wir die Vereinigten Staaten von Europa mit einer hoffentlich wirklich demokratischen Struktur haben, aber der Abschied vom Nationalstaat wird noch schwerer fallen als der vom Bundesland.