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These #20

Ohne eine fundamentale Reform des österreichischen Bildungssystems verarmt Österreich.

Der Wandel der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft lässt Bildung, Wissen und Kreativität zu Schlüsselressourcen werden. Die persönliche Lebensqualität, der jeweilige berufliche Erfolg und das Niveau politischer Partizipation hängen immer stärker davon ab, ob Menschen dazu in die Lage versetzt werden, diese Ressourcen eigenverantwortlich zu stärken und in sozialen Netzwerken zu teilen. Leider ist Österreichs Bildungssystem in der großkoalitionären und zugleich föderalen Starre stecken geblieben. Ein hoher Anteil von Kindern, die nicht lesen und schreiben können und eine geringe AkademikerInnenquote zeichnen ein trauriges Bild von Österreichs Bildungslandschaft. Auch lebenslanges Lernen ist bei weitem noch nicht Standard. Kommt es nicht zu einer grundlegenden Reform drohen sich soziale Spannungen und Armut zu verschärfen sowie ein wirtschaftlicher Rückfall und eine Gefährdung der Demokratie. Bildung ist auch die zentrale Antwort auf die jahrelangen Versäumnisse in der Integrationspolitik und das Schlüsselrezept gegen politische Radikalisierung. Bildung ist nicht nur die wichtigste Ressource für die Verwirklichung der eigenen persönlichen Fähigkeiten, sondern für die Entwicklung einer Gesellschaft insgesamt. Denn Bildung ermöglicht das, was eine moderne von einer traditionalen Gesellschaft unterscheidet: Sie kann verfestigte gesellschaftliche Verhältnisse aufbrechen, soziale Strukturen verändern, Ungleichheit von Macht und Einkommen verringern. Also all das leisten, was Österreich und Europa derzeit brauchen.

Beispiel

Die Hoffnung für das österreichische Bildungssystem sind engagierte Menschen: LehrerInnen, ProfessorInnen, StudentInnen, PädadogInnen, VolksbildnerInnen und natürlich auch Eltern und SchülerInnen. Es gibt viele, die verändern wollen, besser werden wollen, fördern und fordern. Ob das Engagement der Kindergarten-PädagogInnen, die auf strukturelle wie Ressourcendefizite hinweisen oder SchülerInnen und LehrerInnen, die sich jeden Tag dafür einsetzen, dass sich die Schule weiterentwickelt. Viele wollen Verantwortung übernehmen und tun das auch. Genau darauf baut die notwendige größte Bildungsreform der Republik auf.

Vorschlag

Es gilt das Prinzip: Kein Kind darf im Bildungssystem auf Grund seiner sozialen Herkunft zurückbleiben. Oder anders: Kein Kind darf für sein Herkunftsmilieu – sei es Armut, Unkenntnis oder Desinteresse – bestraft werden, indem ihm Zugänge zu Bildung verschlossen bleiben. An diesen Grundüberlegungen müssen sich alle konkreten Vorschläge für eine Neu-Gestaltung des österreichischen Bildungssystems messen lassen. Jedes Kind hat ein Grundrecht auf gleiche Bildungschancen – unabhängig von der sozialen Lage, vom Bildungsinteresse oder von Herkunft bzw. Sprachkompetenz der Eltern.



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  •  Wolfgang Zinggl | Gruener Kultur- und Minderheitensprecher
     

    Die Debatte um Organisation des Bildungssystems geht leider an einer Problematik vorbei: Am Unterrichtsstil. Der vernachlässigt leider immer noch die Kooperation innerhalb der Lerngemeinschaft, das Einfühlungsvermögen, das soziale Lernen und das problemorientierte Lernen. Sie sind neben der Wissensorientierung für eine funktionierende Gesellschaft verantwortlich. Wenn wir uns weiterhin vor allem über ökonomische Leistungen definieren, wird das nicht ohne Folgen für diese ökonomischen Erfolge selbst bleiben. Denn vor allem sie profitieren am meisten von den genannten Fähigkeiten. Geht´s der Gemeinschaft gut, geht´s auch der Wirtschaft gut.

     
  • Markus_Gonaus
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    Trotzdem der Wesentlichste Teil unseres Bildungssystemes gratis ist, ist die soziale Seggregation das Hauptproblem unseres Systemes. Mein Ansatz wäre: Das Recht auf kostenlose Bildung in die Verfassung schreiben. Standardisierte Abschlussprüfungen für jeden Jahrgang einführen. Eine staaatliche Grundversorgung sichern, sonst aber einen Markt zulassen, indem man Bildungsschecks ausgibt, die einen Schulplatz zu 100% zahlen. Mehr Schüler wären dann für jede Schule ein wirtschaftl. Vorteil und ein erstrebenswertes Ziel. Und alternative und moderne Schulkonzepte endlich nicht mehr nur Kindern von Besserverdienern zugänglich.

     
  • geart
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    Verarmt im wörtlichen Sinn ist die Universität als Bildungssystem schon lange, das Budget wird zumindest für die Geisteswissenschaften jährlich gekürzt. Die Institutsbibliotheken müssen sparen und sind gezwungen, wie auf der Musikwissenschaft in Salzburg, laufende Abos wissenschaftlicher Zeitschriften abzubestellen. Ganz zu schweigen die präkere Beschäftigungssituation für hochqualifizierte wissenschaftliche MitarbeiterInnen wie AssistentInnen, LektorInnen, die wegen Geldmangels der Universitäten arbeitslos werden... Siehe LINK: http://oe1.orf.at/highlights/144691.html unbedingt LESEN!

     
  • rm2000
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    Nicht, wenn wir endlich akzeptieren, das wir in einem EINWANDERUNGSLAND sind und wir unseren Empfang an der Grenze entsprechend einrichten, dann können wir unser Bildungssystem ruhig im unteren Mittelmass verkommen lassen. Die Bildung wird dann in Exzellenz-Unis abgeschoben und damit wir genügend Absolventen mit tertiärem Bildungsabschluss haben werden unterdurchschnittliche Unis in jedem Ort über 30.000 EW eingerichtet. Nicht besonders lustig? Nein ist es nicht eher sarkastisch. Der Stellenwert der Bildung besteht in ihrer Anwendung, nicht in ihrer perfekten Wiedergabe und damit im selbständigen Denken. Aber wer will den mündigen Bürger (nicht!)?

     
  • friedrich
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    So wie das hier als "Vorschlag" formuliert ist, wird wohl keiner widersprechen. Das wird auch jeder ÖVP-Politiker unterschreiben. Etwas konkreter dürfte es schon sein!

     
  • Einer von Ihnen
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    @Beka: eine Abschaffung der Schulpflicht würde darauf hinaus laufen, dass nur die Kinder von gebildeten Leuten zu Bildung kommen werden und die grosse Mehrheit noch weniger Kompetenz im gesellschaftlichen Diskurs erlangen wird noch leichter dem Populismus erliegt... ...je länger du darüber nachdenkst, desto weitreichender werden dir die negativen folgen der Abschaffung der Schulpflicht bewusst. und das wirst du doch nicht wollen, oder?

     
  • Karin Gutenbrunner
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    Ich finde es als wichtigstes Ziel überhaupt, den Kindern künftig die Chance zu geben Ihre Talente und Interessen weiterentwickeln zu können - nicht nur Förderung für Schwache - jedes Kind hat seine Stärken! Außerdem finde ich es sehr wichtig, gerade in Ganztagsschulen, auch die Ernährung, Kochen, etwas Landbau, "Glück" wie es schon eine Schule als Unterichtsfach anbietet, und soziale Kompetenzen zu unterrichten. Manche Kinder bekommen das von zu Hause einfach nicht beigebracht und benötigen diese Hilfestellung - unsere Gesellschaft benötigt dieses Wissen dringend!

     
    • liob
      • liob
      • sagte 1.11.2009
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      Zustimmung!

       
    • Freund
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      Zustimmung, wobei ich kein so ganz großer Anhänger der Ganztagsschule bin. Unsere Kinder kommen nach Hause und da gibt es noch eine Familie. Mir würde es abgehen, wenn meine Kinder nicht zu Hause wären. Es ist für mich das schönste meine Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

       
  • amad
    • amad
    • sagte 27.10.2009
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    Wer die Forderung nach Abschaffung der Schulpflicht ernsthaft stellt, sollte die Situation der Kinder in Länder ohne Schulpflicht sehen: Kinderarbeit, -prostitution. Ist abzulehnen. Dem Anfangsstatement ist nicht zu widersprechen. Es ist so allgemein. Warum kommen beim Lesen des Vorschlags Unmutsgefühle. Es klingt mE nach Bevorzugung der bildungsunwilligen gegenüber den bildungswilligen Personen. Warum soll für jemanden, der in der VS z.B. sinnerfassendes Lesen nicht zu lernen vermag, höhere Bildung in einer AHS Sinn machen? SchülerInnen gehören in die Schule, die sie nicht über- oder unterfordert aber fordert, der Durchlässigkeit wegen in eine gemeinsame Schule mit eindeutigen Struktur.