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These #22

Das Schulsystem in seiner heutigen Form hat ausgedient – gemeinsam individuell lernen wird in der neuen, autonomeren Schule zum Leitprinzip.

Die wohl folgenschwerste Schwäche des gegenwärtigen Bildungssystems ist die soziale Selektion der Schülerinnen und Schüler im zehnten Lebensjahr: Wer bis dahin gute Leistungen erbracht hat, kommt in die gymnasiale Unterstufe oder in die erste Leistungsgruppe der Hauptschule. Statt dass das Schulsystem unterschiedlich rasche Entwicklungen der Persönlichkeit berücksichtigt, bekommen Kinder in vielen Fällen mit der Selektionsentscheidung in der vierten Volksschulklasse – also im zehnten Lebensjahr – sozial lebenslänglich: als zukünftige HilfsarbeiterInnen in einem Wirtschaftssystem, dessen Anforderungen an formal Unqualifizierte zu allem Überfluss noch ständig wachsen. Die neue Schule setzt hingegen auf gemeinsames und zugleich individuelles Lernen und Förderung .
Ein im Lernerfolg zurückbleibendes Kind soll rechtzeitig durch individuelle Förderung aufgefangen werden. Klassenwiederholungen würden dadurch der Vergangenheit angehören. Wenn aufgrund ganz eklatanter Lernschwächen dennoch eine Wiederholung erforderlich wäre, würde diese sich auf einzelne Bereiche beschränken und nicht die gesamte Schullaufbahn unterbrechen.

Wie die Schulen ihr Angebot angesichts der sozialen und kulturellen Zusammensetzung ihrer Schülerinnen und Schüler organisieren, soll weitgehend ihnen überlassen werden. Hier öffnet sich ein großes Feld für schulautonomes Handeln, also für die Übernahme von Verantwortung und für Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort. Durch externe Bewertungen ist allerdings dafür zu sorgen, dass ein messbarer Standard des Bildungsniveaus erreicht wird. Die Einteilung des Lehrplanes und der Bildungsstandards in Jahrgangsklassen verhindert das erfolgreiche Lernen der Kinder. Die festgesetzten Normen stimmen mit der Entwicklungsvielfalt der Kinder nicht überein. Zwang, schlechte Noten, Bestrafungen und Druck führen zu Versagen und Mutlosigkeit.

Beispiel

Kleinkinder lernen gerne und viel, sie sind stolz auf das Gelernte und zeigen es gerne her. „Ich bin schon groß“, „ich kann schon...“ sie lernen die ganze Zeit und zwar selbstbestimmt. Eltern, die wollen, dass ihre Kinder früher sauber werden oder früher gehen können oder früher mit dem Sprechen beginnen, sind zum Scheitern verurteilt, denn Kinder sind verschieden. Die einen sprechen mit 12 Monaten ihre ersten Wörter, die anderen erst mit 30 Monaten. Manche machen mit 11 Monaten ihre ersten Schritte, andere mit 16 Monaten. Die Vielfalt der kindlichen Entwicklung ist riesig und sie wird immer größer je älter die Kinder werden.

Vorschlag

Die Schule ist in vielen Bereichen zu reformieren. An die Stelle des gegenwärtigen Systems von Volks-, Haupt- und Sonderschulen sowie gymnasialer Unterstufen gehört eine gemeinsame Schule aller Sechs- bis Vierzehnjährigen. Sie ist als differenzierte Gesamtschule mit individueller Förderung und mit einem Ganztagsangebot zu führen. Die Jahrgangsklasse ist nicht die allein seligmachende Organisationsform. Auch Mehrstufenklassen sollen in Zukunft möglich sein. Es werden Bildungsstandards für den Abschluss der Grundschule (Volksschule), der Pflichtschule und der Höheren Schule eingeführt. Ziel ist es, so vielen Kinder wie möglich den Abschluss der Höheren Schule zu ermöglichen. Es ist eine Diskussion darüber zu führen, ob die Matura als Abschlussprüfung abgeschafft wird. Auch die gegenwärtige Struktur der Fächer ist bis zur Abschaffung der herkömmlichen Fächer zu diskutieren.



Bewertung

(-5 bis +5) Onlinediskussion +1.06 Durchschnitt (Basierend auf 666 Stimmen - 14.2.2010) Weitgehender Konsens in der Diskussion, trotz eher geringer Bewertung.

Diskussion

Innere Differenzierung wichtig. Bildung soll auf das Leben vorbereiten. Nicht nur Lehrende, sondern auch ihre Zielgruppe (SchülerInnen, StudentInnen, Kinder, ...) sollten Bildung gestalten können. In einigen Stellungnahmen wird Skepsis zur Umsetzbarkeit geäußert.

Streifzug durch Statements

  • Bildungssystem demotiviert SchülerInnen; flexible und individuelle Bildung ermöglichen.
  • „Das derzeitige komplette Schulsystem ist absolut falsch. Es müsste ein Individualschulsystem geschaffen werden, bei dem auf die Fähigkeiten des Kindes eingegangen werden soll. Eine schlechte Note in anderen Fächern hindert eine mögliche zukünftige Mathematikerin an ihrem Studium.“
  • Freien Wissenszugang und freie Bildung nicht an Altersgrenzen binden. - These ist organisatorisch nicht umzusetzen;
  • Schultyp wäre zwar frei wählbar, Alternativschulen sind für viele Eltern aber nicht leistbar; Grüner Antrag zur Gleichbehandlung alternativer Schulformen bei der Finanzierung liegt im Parlament auf Eis.
  • Hochschulzugang an Module, die bereits in der Schule absolviert werden, anknüpfen; Module könnten Matura ersetzen und flexibel an allen Schulstandorten angeboten werden (ev. auch über GastlehrerInnen die bestimmte Module unterrichten);
  • Antwort: nur in großen Schulstandorten über 1.000 SchülerInnen realisierbar;
  • Wenn alle Kinder die selben Chancen haben sollen, dann brauchen wir die gemeinsame Schule auf Dauer.
  • Statt äußerer Differenzierung in verschiedene Schulformen innere Differenzierung.
  • SchülerInnen soll Lehrstoff mit praktischem Inhalt vermittelt werden – Grundlagen über soziales Verhalten, historische und wissenschaftliche Grundlagen;
  • Bildungsschule statt Prüfungsschule.
  • Stufen im Schulsystem sind Schubladen. Bildung soll auf das Leben vorbereiten. Nicht nur Lehrende, sondern auch ihre Zielgruppe (SchülerInnen, StudentInnen, Kinder,..) sollten Bildung gestalten können. - Nicht der Name der Schule ist entscheidend, sondern die Inhalte und Methoden, welche dort angewandt werden.
  • „Ein Grund, warum ich für eine gemeinsame Schule der Schulpflichtigen bin, ist, dass damit auch eine Integrationsleistung erbracht wird. Vielfach werden der Gedanke der schulischen Integration und der Gedanke der Begabungs- und Begabtenförderung bzw. Elitenbildung gegeneinander ausgespielt.“
  • Bedürfnisse der Kinder erkennen und ernst nehmen (z.B. DirektorInnen wählen, LehrerInnen auswählen können, LehrerInnen Feedback) „LehrerInnenbeurteilungen“ - fordert ein Schüler

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Statistik

 
0.73 Durchschnitt
Basierend auf 1044 Stimmen

  • IreneKravanja
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    Lehrinhalte in Modulform: Eine neue Regelung für den Hochschulzugang wäre möglich, indem man für jedes Studium festlegt, welche Module Voraussetzung sind. Die Module sollten an verschiedenen Schulen absolviert werden können. Die klassische Matura, die mit hohem Kostenaufwand (Supplierstunden, Vorsitzender etc.) verbunden ist, wird überflüssig. Es könnte also für ein Medizinstudium ein Grundmodul Latein Voraussetzung sein, oder für ein Technikstudium ein Modul spezielle Differentialrechnungen etc.. Bei uns im Bezirk Murau gibt es keine HTL. Die nächste HTL ist in Zeltweg, d.h. der Schulweg ist wesentlich weiter oder die Kinder wohnen die Woche über in Zeltweg und kommen nur am Wochenende nach Hause. Werden die Lehrinhalte, die jetzt in der HTL zusätzlich zum AHS-Oberstufenstoff angeboten werden, in Modulform angeboten, wäre es möglich die Module, die zur AHS gehören in Murau zu absolvieren und nur für die HTL-spezifischen Module nach Zeltweg zu pendeln. Für die HAK gilt sinngemäß dasselbe. Die Belastungen für die Schüler und Schülerinnen wären geringer, es würden keine Kosten für externes Wohnen oder größere Fahrstrecken anfallen. Die Schüler und Schülerinnen können die Module an verschiedenen Schulen absolvieren, melden sich also nicht mehr fix an einer Schule an, sondern haben eine „Stammschule“ und zustätzlich die Möglikchkeit Module an anderen Schulen zu belegen. Eine andere Möglichkeit wäre für gewisse Module „Gastlehrer“ und „Gastlehrerinnen“ nach Murau zu holen, so nicht Werkstätten oder andere spezielle Geräte benötigt werden. Die Schulen sollten alle vom Bund verwaltet werden und auch die Lehrer und Lehrerinnen in ganz Österreich vom Bund angestellt und bezahlt werden nach einem einheitlichen Dienstrecht. Die Kinder sollen die Module an beliebigen Schulen absolvieren können, wobei darauf zu achten ist, dass in jedem Bezirk ein gewisse Grundauswahl an Modulen angeboten wird. Prüfung und Lehre sollen getrennt sein. Die Arbeitszeit in den Modulen soll ausschließlich dem Vermitteln und Üben der Lehrinhalte dienen. Prüfungen sind gesondert extern oder bei einem anderen Lehrer bzw. Lehrerin abzulegen.

     
    • Markus_Gonaus
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      Kursartige Systeme sind prinzipiell machbar und auch keine schlechte Idee. Nur verlangt das nach großen zentralen Schulen (1000 Schüler aufwärts). Sonst ist es nicht machbar. D.h. aber eine Abkehr vom bisherigen Prinzip, dass jeder Ort seine eigene Hauptschule hat.

       
  • IreneKravanja
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    Die Situation im ländlichen Raum unterscheidet sich wesentlich von der Situation in Großstädten wie Wien oder Graz!!! Zum Punkt eine Schulform für alle 10 bis 14 Jährige möchte ich die Situation in Murau (Bezirkshauptstadt) schildern. Im Bezirk gibt es keine Langform des Gymnasiums sondern 2 Hauptschulen und ein Bundesoberstufengymnasium, d.h. alle Schüler besuchen die Hauptschule, nur ganz wenige pro Jahrgang fahren ins 40 km entfernte Tamsweg oder nach Judenburg, 50 km entfernt. Wir haben also defakto eine Schule für alle Schüler und Schülerinnen. Für viele Jahre gab es 2 Klassenzüge, jetzt gibt es Leistungsgruppen in den Hauptgegenständen. Hier könnte man ohne Schulversuche und ohne Ideologievorurteile eine Vergleichsstudie machen zwischen dem Werdegang der Absolventen der Murauer Hauptschulen und z.B..des Judenburger Gymnasiums und der Judenburger Hauptschule. Einigie Kinder absolvieren am Bundesoberstufenrealgymnasium ihr 9. Schuljahr und gehen dann in die Lehre. Meinen subjektiven Eindruck nach ist es in vielen Familien einfach selbstverständlich nach der 9. Schulstufe in die Lehre zu gehen bzw. ins Berufsleben einzusteigen.

     
  • geart
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    Der Schultyp ist in Österreich zwar frei wählbar aber für Eltern oft nicht finanzierbar. Alternative Schulen werden von den Eltern getragen, der Staat, von der Regierung repräsentiert, fühlt sich nicht verantwortlich. Diese legte z.B. einen Antrag der Grünen auf Gleichbehandlung bezüglich der Finanzierung alternativer Schulsysteme (Frühsommer 2009) auf Eis. Eine Petition betroffener Eltern, die genau dieses Faktum thematisiert, sollte in Unterausschüssen diskutiert werden - wie lange? Wahrscheinlich hofft die Regierung , dass Gras über die ganze Sache wächst und ein kollektives Vergessen einsetzt. Bestens funktionierende Lernwelten siehe z.B.: www.rubenshof.at als mögliche Alternative!

     
    • Markus_Gonaus
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      Das wird ja auch technisch schwierig werden, solange man am Prinzip der Objektfinanzierung festhalten will. Da führt am derzeitigen Prinzip, dass man Öffentlichkeitsrecht haben muss, um die LehrerInnen vom Staat bezahlt zu bekommen kein Weg vorbei. Und Öffentlichkeitsrecht impliziert natürlich sich den Gesetzen für öffentliche Schulen zu unterwerfen. Ich wäre daher für eine Subjektfinanzierung. Staat zahlt an den Schulbetreiber pro Kopf. Gebühren darüber hinaus werden verboten. Leistungsfeststellung wird durch zentrale Jahresprüfungen ersetzt. Womit automatisch auch Schulen und Lehrer evaluiert werden.

       
  • geart
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    Zukünftige Generationen müssen auf dem Arbeitsmarkt flexibel und kreativ sein. Das lernt man nicht in unserem Regel Schulsystem, in das derzeit die meisten Kinder eingegliedert werden. Es gibt aber auch alternative Schulformen mit Öffentlichkeitsrecht, die dem sog. Bildungsauftrag mehr als gerecht werden - siehe z.B. Schulen nach Montessori und Wild - die für Eltern und LehrerInnen das bezeichnende wunderschöne Motto leben: Mit Kindern wachsen - siehe z.B.Homepage : www.rubenshof.at Die Kinder sind dort glücklich und gehen gerne in die Schule, auch die 10- bis 14 Jährigen. Diese bewältigen übrigens die Anforderungen weiterführender höherer Schulen ohne Probleme.

     
  • amad
    • amad
    • sagte 27.10.2009
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    M.E. sind die ersten Fragen zu diesem Thema: „Soll heute noch Allgemeinwissen vermittelt werden oder nicht?“ „Wenn ja, was gehört zum Allgemeinwissen, was nicht?“ Und erst dann kann ich mir den Kopf über das Wie zerbrechen.

     
    • Markus_Gonaus
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      Das was steht in den Lehrplänen. Und die sind entgegen landläufiger Meinung sehr gut. Dass kaum ein Lehrer die jemals gelesen hat steht auf einem anderen Blatt.

       
  • handyman
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    Das ist organisatorisch vermutlich kaum machbar. Quasi eine Einzelbetreuung ohne Einzellehrer? Beispiel: Jemand hat Schwächen im Tununterricht und fällt nur in diesem enem Fach durch. Das bedeutet er turnt einfach mit den Jüngeren. Zur selben Zeit am selben Ort? (Turnsaal).

     
  • Freund
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    Ein ausgezeichneter Vorschlag. Meine volle Unterstützung! Das hätte meinem jüngeren Sohn (Legastheniker) sehr geholfen. So sind seine Chancen sehr stark eingeschränkt.