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These #27

Österreich braucht Zuwanderung. Zuwanderung braucht transparente Regeln.

Österreich ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland. Die Jukics, Nemsics und Dogudans dieses Landes – ganz abgesehen von den Swobodas, Vranitzkys und Klestils -  beweisen längst, dass Migration eine Erfolgsgeschichte sein kann. Wir können dafür sorgen, dass ganz Österreich von diesen Erfolgsgeschichten profitiert, denn Migration ist Realität. Unser Land wird auch im 21. Jahrhundert ein Einwanderungsland bleiben. Dort wo es um Asyl, Familienzusammenführung oder andere grundrechtlich gebotene Zuwanderung geht, gibt es keine Steuerungsmöglichkeit. Die Einhaltung von Grund- und Menschenrechten (und konsequenterweise die Aufhebung von starren Quoten z.B. bei Familienzusammenführung) muss zur Selbstverständlichkeit werden. 90 % der faktischen Einwanderung nach Österreich sind Familienzusammenführung und EU-BürgerInnen, die frei einwandern  dürfen.

Beispiel

Angenommen Österreich müsste ohne Zuwanderung auskommen. Die Konsequenzen würden die gesamte Wirtschaft und das gesamte öffentliche Leben betreffen. Hotels sperren zu, Erntehelfer kommen nicht und Pflegepersonal fehlt, um nur einige Beispiele zu nennen.
Wir sind auf die ZuwanderInnen angewiesen, kurz- und langfristig. Der notwendige Bevölkerungszuwachs ist primär der Zuwanderung zu verdanken. Ohne weitere Migration würden massive Lücken entstehen.
Nicht nur Österreich, ganz Europa braucht Zuwanderung. Ohne Einwanderung wird Europa laut Demografen bis 2050 um 50 Millionen Menschen schrumpfen.

Vorschlag

Transparente Einwanderungsregeln statt reflexartiger Abwehrgesetze: Wenn es um Fragen der Erwerbsmigration (10 % der gesamten Migration nach Österreich) geht, sollte Österreich klare Ziele definieren und ein transparentes System schaffen, das eine geregelte und faire Einwanderung sicherstellt. Wesentliche Kriterien sollen Ausbildung (z.B. Ausbildung in einem Mangelberuf), Sprachkennt­nisse, Arbeitserfahrung und in Österreich lebende Familienangehö­rige sein. EinwanderInnen sollen ihre Familienmitglieder sofort mitnehmen können und EU-BürgerInnen weitgehend gleichgestellt sein. Statt starrer Quoten sollen jene, die rechtmäßig in Österreich sind, ihre Familien im Zuge ihres Rechts auf Familien- und Privatleben nachholen dürfen, dies ohne Quotenbegrenzung. Diese Begrenzung ist willkürlich und geht an der Realität vorbei, ist zudem unmenschlich. Binationale Ehepaare und Familien sollen in Österreich leben können, ohne ständig die Ausweisung eines Familienmitgliedes fürchten zu müssen. Denn: Familien schaffen eine Verwurzelung im Aufenthaltsland und sind wesentliche Integrationsfaktoren.

Wir wollen verkürzte Wartezeiten für Staatsbürgerschaften (5 Jahre), geringere Bearbeitungsgebühren und fairen Zugang aller Schichten zur Staatsbürgerschaft bei langjähriger Integration. Kinder, die in Österreich geboren wurden, sollen per Geburt die Staatsbürgerschaft bekommen, wenn ein Elternteil legal hier lebt.



Bewertung

(-5 bis +5) Onlinediskussion
+3.40 Durchschnitt (Basierend auf 2141 Stimmen - 14.2.2010)
Sehr hohe Zustimmung zur These; zugleich kontroverse Diskussion der Regeln.

Diskussion

Zuwanderung wird als Notwendigkeit und Gewinn für die Gesellschaft gesehen; den Nutzen verständlich zu machen, Ängste zu nehmen, gehört zu den Herausforderungen der Politik. Es geht aber nicht nur um wirtschaftlichen Nutzen, sondern auch um Menschenwürde im Umgang miteinander. Zuwanderung ist eine Tatsache und war es schon immer.  MigrantInnen und ihre Leistungen werden in Österreich meist nicht anerkannt. Probleme, die es gibt (etwa aufgrund der sozialen Kluft), müssen dennoch benannt werden (siehe Integration etc.).

Streifzug durch Statements

  • Menschenrechte: Zuwanderung ist Gewinn/Nutzen – den Menschen begreifbar machen;
  • Migration/Integration/Sprachkompetenz; Mittel und Wege zur Umsetzung;
  • Warum sollte Bevölkerungszunahme notwendig sein? Wären Probleme (wie Nahrungsmittelversorgung) nicht leichter zu lösen, wenn weniger Menschen auf der Erde leben?
  • Warum brauchen wir Zuwanderung?
  • Österreich und Europa vergreisen immer mehr, somit ist Zuwanderung notwendig.
  • „Zuwanderung um jeden Preis ist abzulehnen.“
  • Klischee, das unrichtigerweise verbreitet wird, denn 90% aller MigrantInnen wollen sich sehr wohl integrieren.
  • Auf Zuwanderung zu verzichten bedeutet: volkswirtschaftlicher Selbstmord – Sozial- und Pensionssystem wären sonst nicht finanzierbar; es geht darum vernünftige Regeln für Zuwanderung einzuführen;
  • Argument, dass Umlagesystem grundsätzlich nicht finanzierbar sei und zum Zusammenbruch verdammt ist, wird nicht richtiger, nur weil es immer wieder wiederholt wird. Reformen beim Umlagesystem sind aber notwendig.
  • Wir brauchen Zuwanderung nicht aus eigennützigen Motiven – es geht viel mehr darum, das Thema vor dem Hintergrund der Menschenwürde zu diskutieren.
  • Für jedes Land gibt es eine maximale Bevölkerungszahl – diese sollte einmal errechnet werden.
  • Zuwanderung sollte nicht mit Pensionssystem argumentiert werden, sondern vor dem Hintergrund der Menschenrechte.
  • Verkürzung der Wartezeit auf StaatsbürgerInnenschaft;
  • Zuwanderung nicht über Aufrechterhaltung des Pensionssystems argumentieren;
  •  Zuwanderung ist eine Tatsache und war es auch schon immer.
  •  Eine bessere Welt kann nur eine Welt sein, in der möglichst viele Menschen ihre Grundbedürfnisse befriedigen können und ihre Grundrechte gewahrt werden – weltweite Grundsicherung wäre ein Ansatz; würde auch vielen die Chance geben in den Ländern, wo sie geboren sind, bleiben zu können;
  • Probleme mit Zuwanderung haben v.a. soziale Ursachen – soziale Durchmischung und Chancengleichheit im Bildungsbereich sind nicht vorhanden; sozialer Aufstieg ist im gegenwärtigen System nur schwer zu schaffen;
  • Integration ist ein wechselseitiger Prozess
  • Nicht uneingeschränkte Zuwanderung, sondern Regulierung nach kanadischem/US-amerikanischem Vorbild;
    MigrantInnen und ihre Leistungen werden in Österreich meist nicht anerkannt; Anerkennung, z.b. via Aufenthaltstitel, ist notwendig; erst dann ermöglicht man es, dass sich MigrantInnen integrieren.

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Statistik

 
2.84 Durchschnitt
Basierend auf 2567 Stimmen

  • Kemal Smajic
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    Das größte Problem für Migranten in Österreich ist die fehlende Anerkennung ihrer Leistungen für die Gesellschaft und das in Frage stellen ihrer Daseinsberechtigung im Alltag. Wenn Personen seit ihrer Jugend in Österreich leben und arbeiten ist es letztklassig zu verlangen das Aufenthaltstitel für ihre Kinder jährlich, mit enormen Zeit und Geldaufwand, erneuert werden müssen. Durch diese fehlende Anerkennung kommt es dazu dass man sich auf gewisse Sachen nicht einlässt und somit nicht als teil einer Einheit sieht. Erst wenn die hier lebenden Migranten mit breiter Brust sagen können und wollen Österreicher zu sein kann man von einem gelungen Integrationsprozess sprechen.

     
  • Kemal Smajic
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    Das größte Problem für Migranten in Österreich ist die fehlende Anerkennung ihrer Leistungen für die Gesellschaft und das in Frage stellen ihrer Daseinsberechtigung im Alltag. Wenn Personen seit ihrer Jugend in Österreich leben und arbeiten ist es letztklassig zu verlangen das Aufenthaltstitel für ihre Kinder jährlich, mit enormen Zeit und Geldaufwand, erneuert werden müssen. Durch diese fehlende Anerkennung kommt es dazu dass man sich auf gewisse Sachen nicht einlässt und somit nicht als teil einer Einheit sieht. Erst wenn die hier lebenden Migranten mit breiter Brust sagen können und wollen Österreicher zu sein kann man von einem gelungen Integrationsprozess sprechen.

     
  • Ike Theo Okafor
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    Ich schließe mich die Gedanken von Wolfgang und Alev an, Ich füge aber hinzu, dass eine migrations Thema ohne wertschätzung und ohne respect beide seite - der Herkunftsländ und Ankunftsländ, ist zum scheitern verurteilt. Es ist bewissen, dass wer sich nicht willkommen fühlt, neigt dazu an alte Werte festzuhalten. Integration ist nicht nür Migrantinnen sache.. Migration ohne partizipation ist gleich Assimilation.

     
  • MartinT
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    Mich würde interessieren, wie der Satz, dass Kinder von zumindest einem legal in Österreich lebenden Elternteil, die Staatsbürgerschaft per Geburt erwerben, konkret angedacht ist. Sinn, Zweck und Intention erscheinen mir klar und begrüßenswert. Dennoch erscheint mir der Satz in dieser Absolutheit formuliert einen Widerspruch zu den verlangten transparenten Regeln zu sein. Was geschieht mit dem nicht legal in Ö lebenden Elternteil? Eine Zerreißung der Familie erscheint mir nicht sinnvoll, ein Aufenthaltsrecht über den Titel eines Kindes scheint jedoch eine Möglichkeit, genau die geforderten Kriterien für eine Zuwanderung zu umgehen. Hier bedarf es mE einer sorgsam differenzierten Umsetzung.

     
  • Briccius
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    Österreich ist ein Ein- und Auswanderungsland. Auf einige unserer ehemaligen Wirtschaftsflüchtlinge (Frank Stronach, Arnold Schwarzenegger,...) sind wir inzwischen sogar stolz (naja, einige zumindest). Die angeführten Namen Nemsic, Dogudan usw. legen klar, dass Probleme mit Zuwanderern hauptsächlich sozialer Natur sind, d.h. verhinderte soziale Durchmischung und eine Art Kastensystem im Bildungsbereich, das gegen den Wechsel sozialer Ebenen resistent ist.

     
    •  Alev Korun | Gruene Sprecherin für Integration
       

      schließe mich dem an, auch wenn es zusätzlich das problem des rassismus gibt: dh soziale mobilität oder gute ausbildung bedeutet nicht automatisch, dass man auch als gleichwertig anerkannt wird.

       
    • stephan0h
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      möchte einfwerfen, dass rassismus auch auf seiten der einwanderer sehr verbreitet ist. man möchte ja teilweise gar nicht als gleichwertig gelten, da man sich aus kulturellen gründen als überlegen sieht. selbst erfahren ...

       
  • ErwinRamsbacher
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    @fish: Wenn jeder seine Pension selbst "ansparen" sollte, wer zahlt dann die Pension derer, die bereits in Pension sind bzw. bald in Pension gehen? Sollen die heutigen Beitragszahler die heutigen Pensionisten finanzieren UND nebenbei noch ihre eigene Pension ansparen? Zuwanderung kann nicht das alleinige Allheilmittel für die Sicherung unseres Sozialstaates und unserer Pensionen sein, aber ohne Zuwanderung werden wir eine überalterte Bevölkerung haben, dadurch ein starkes Schrumpfen der Wirtschaft und dadurch deutlich weniger Steuereinnahmen und Sozialbeiträge!

     
    • fish
      • fish
      • sagte 30.10.2009
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      @ErwinRamsbacher. Hallo erwin, dein einwand ist mit sicherheit berechtigt aber nicht unlösbar. Es ist bereits in den letzten jahren ein trend zur privaten pensionsvorsorge zu verzeichnen. Es gibt hier bereits auch eine zusätzliche jährliche staatliche förderung von ca. 9% zusätzlich. Wenn dieser trend durch staatliche anreize noch verstärkt wird, so ist es sehr weise für die zurzeit arbeitende generation vorzusorgen. Denn sie wird solche pensionen wie sie heute bezahlt werden mit sicherheit nicht mehr sehen. Gleichzeitig mit dieser förderung vollzieht sich bereits eine langfristige umstellung des aktuellen pensionssystem. Es liegt jetzt am staat diesen trend zu verstärken.

       
    •   Karl Oelllinger | Gruener Sozialsprecher
       

      die "weisheit "der privaten pensionsvorsorge bemerken gerade alle, die in den letzten jahren eingezahlht haben. bitte nicht den staatlichen zuschuss für die "zukunftsvorsorge" als argument anführen! es gibt gute untersuchungen, die belegen, dass diese zuschüsse die miese performance des produkts "zukunftsvorsorge" nicht einmal notdürftig kaschieren können. man muss froh sein, wenn am ende das nominale der einbezahlten beiträge rauskommt! aber das führt zu einem anderen thema bzw. these!