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These #6

„My Home is my Kraftwerk“. Die dezentrale Energieversorgung wird zur Säule der erneuerbaren Energierevolution.

Die fossile Industriegesellschaft ist am Ende. Mittlerweile haben sogar die meist vorsichtigen und energiepolitisch bislang konservativen Institutionen wie die Internationale Energie Agentur (IEA) akzeptiert, dass ein weiter-wie-bisher nicht mehr funktionieren wird. Mit dem Bericht „World Energy Outlook 2008“ hat die IEA ihre bisherigen Analysen und Botschaften massiv korrigiert: „Das Welt-Energiesystem ist an einem Wendepunkt angelangt. Es wird immer offensichtlicher, dass die aktuellen Wachstumstrends nicht nachhaltig sind – weder ökologisch, noch ökonomisch, noch sozial. Aber sie können – und sie müssen – geändert werden; dafür ist noch immer Zeit. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Zukunft des menschlichen Wohlstands von zwei Herausforderungen abhängt: Ob es uns gelingt, die Versorgung mit verlässlicher und leistbarer Energie zu sichern und ob eine rasche Wende in Richtung eines kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen und effizienten Energiesystems gelingt. Notwendig ist nicht weniger als eine Energierevolution.“

Auf die Energierevolution muss man jedoch nicht warten; rein technologisch sind die wesentlichen Elemente bereits da. Die Säulen sind Energieeffizienz (also Produkte und Dienstleistungen mit möglichst geringem Energieeinsatz zur Verfügung zu stellen) und die Umstellung auf erneuerbare Energie aus Wind, Sonne, Biomasse, Erdwärme in der Strom- und Wärmeversorgung sowie in der Mobilität.

Weltweit werden derzeit schätzungsweise rund 60 Milliarden Euro pro Jahr in energieeffiziente Technologien investiert. Von der kalifornischen Küste bis China wurde erkannt, dass hier die Zukunft liegt. Der Wandel bedeutet jedoch auch, dass energieintensive Industriezweige unter Druck geraten. Sie werden umdenken müssen oder sie werden nicht überleben.

Ein Schlüssel der künftigen Energieversorgung ist die Dezentralisierung. Mittels Solartechnologie, Biomasse und Energieeffizienz als Voraussetzung werden viele ihre Energie selbst produzieren. Als Teil eines intelligenten Stromnetzes können Haushalte dabei auch selbst zum Anbieter von Energie werden.

Beispiel

„My Home is my Kraftwerk“: Im Wohn-Neubau hält der Trend an, nur mehr Niedrigenergie- und Passivhäuser zu errichten. Die Zukunft geht sogar noch einen Schritt weiter. Mit Plusenergiehäusern wird Energie nicht nur sehr effizient verbraucht, sondern auch produziert. Durch Solaranlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung oder auch mittels sog. Mini-Blockkraftwerken. Häuser und Bürogebäude werden zu Kraftwerken, die EigentümerInnen bzw. BewohnerInnen zu ihren eigenen Energielieferanten.

Vorschlag

Der Staat muss sich aus der fossilen Energiewirtschaft zurückziehen. Österreich setzt sich zum Ziel, als erstes Land der Welt zu 100% auf Ökoenergie umzusteigen. Alle Förderungen und staatliche Unterstützungen für fossile Energieträger und Atomkraft auf Bund-, Länder- und Gemeindeebene werden konsequent gestrichen (z.B. Wohnbauförderung für Gasbeheizte Wohnungen) bzw. in den Aufbau dezentraler Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energien und Energieeffizienz umgelenkt.



Bewertung

(-5 bis +5) Onlinediskussion
+1.96 Durchschnitt (Basierend auf 804 Stimmen – 14.2.2010)
Weitgehender Konsens im Befund. Dissens in Schlussfolgerung (Dezentralität).

Diskussion

Dass unser Energiesystem in 20 Jahren noch genau so funktionieren wird wie heute, ist die größere Illusion, als die Umsetzung der Energiewende. Förderungen in Nabucco & Co bedeuten Zeitverlust und verhaften uns in Systemen der Vergangenheit. In der Diskussion werden einerseits unabhängige Versorgungsstrukturen begrüßt; zugleich wird die Effizienz dezentraler Energieerzeugung im Vergleich zur Erzeugung in großen, zentralen Einheiten hinterfragt. Dezentralität bringt nicht per se die Lösung und kann teurer sein. Die Unabhängigkeit von Importen und instabilen politischen Systemen ist ein zusätzlicher Stimulus für die Energiewende. Auch die Verpflichtung von erneuerbaren Energien (Solarenergie) wird in der Diskussion gefordert. Positive Beispiele wie in Oberösterreich oder Güssing sollen Bewusstsein schaffen.  Rahmenbedingungen für private Energieerzeugung müssen verbessert werden. Der Rolle der Gemeinden und Regionen wird betont.

Streifzug durch Statements:

  • Warum sollte dezentrale Energieerzeugung effizienter sein, als Energieerzeugung in großen, zentralen Einheiten?
  • Photovoltaik am Dach ist nicht ineffizienter als Stromerzeugung in großen Kraftwerken, da Transportkosten und -verluste entfallen.
  • Eigene Energieerzeugung ist revolutionäre Veränderung der Energieversorgung – wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der BürgerInnen wird damit möglich; zudem würde CO2-Ausstoß verringert werden.
  • Dezentrale Energieerzeugung ist nicht effizient genug; auch über die Nutzung von Nuklearenergie muss nachgedacht werden.
  • Ruf nach Atomkraft bei Nachhaltigkeitsdebatte zynisch, da Langzeitfolgen nicht abgeschätzt werden können.
  • Endlager für nukleare Altlasten Österreichs notwendig (nicht mehr Nuklearmüll in Nachbarstaaten endlagern).
  • Thermische Sanierung mehr fördern, da sich dies auf lange Sicht auf Grund der hohen Erdölpreise rechnen wird und ökologisch verträglicher ist;
  • Zu 100% auf Ökoenergie umsteigen, ist typisch grünes Schwarz-Weiß-Denken – technologisch sind wir noch nicht weit genug, um dies zu erreichen.
  • Solarpflicht für Neubauten;
  • Zuerst Energieverbrauch reduzieren, dann erst neue Energiequellen anzapfen;
  • Statt individuelle Kraftwerke, „Gemeindekraftwerke“ die ca. 10.000 Menschen versorgen;
  • Der Mix aus verschiedenen Energieerzeugungsformen macht´s aus!
  • Photovoltaik ist technologisch jetzt schon weit genug fortgeschritten – Investitionskosten und entstehender Nutzen sind entscheidend.
  • Wasserkraft ausbauen;
  • „My home is my Kraftwerk, keine schöne Vision, sondern absolute wirtschaftliche Notwendigkeit.“
  • Größte Effizienz im Energiesektor bringt der Nicht-Verbrauch.
    Güssing und die Rolle unabhängiger Regionen forcieren.

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Statistik

 
1.30 Durchschnitt
Basierend auf 1239 Stimmen

  • Jonathan
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    1) die grösste effizienz am energiesektor ist der nicht-verbrauch! 2) die möglicherweise grösste wertschöpfung im lande ist die sanierung, um 1) zu erreichen und parallel dazu die dezentralisierung (schon allein deshalb, um aus der abhängigkeit von aussen wegzukommen - eine "drohung" hatten wir ja schon letztes jahr!)

     
  • founder
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    My home is my Kraftwerk, keine schöne Vision sondern absolute wirtschaftliche Notwendigkeit. Bekomme gerade 2 alarmierende Meldungen herein. USA haben die IEA gewzungen Ölmeldungen schön zu färben, Optimisumus zu verbreiten. Hier die 2 Links dazu: * http://www.guardian.co.uk/environment/2009/nov/09/peak-oil-international-energy-agency * http://www.zeit.de/wirtschaft/2009-11/guardian-peak-oil-usa

     
  • oh_steyr
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    S.g. Frau Brunner, ich erwarte von den Grünen, dass endlich einmal zu einem Thema konkret Stellung genommen wird. Das Thema Energiewende (100% Ausstieg aus fossilen Brennstoffen 2020/2030) wird seit Jahren propagiert, das technische Wie, sowie die Finanzierung hiefür, wurden bisher nicht einmal ansatzweise erläutert. Selbst zum „My Home is my Kraftwerk“ ist Ihnen nur eingefallen, dass dies der Schlüssel sei. Was soll ich vom angekündigten Programm „10.000 Dächer“ der OÖ-Grünen zu erwarten? Hoffentlich hat das nichts mit den Visionen von „founder“ zu tun. Ein Haus (Schloß ?), mit 180 m2 nach Süden geneigter Dachfläche für die Fotovoltaik, kann ich mir selbst mit Wohnbauförderung nicht leisten.

     
    • founder
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      Kein Schloß, sondern ein Haus mit 120m² Wohnfläche. Außerdem kein Süddach sondern ganz bewußt ein Ost West Dach. Die 180 m² ergeben sich aus 8*2,2=17,6m und pro Dachseite 5,6m. Die große Länge ergibt sich aus der im Haus integrieten Garage. Also keineswegs Luxus, sonder bescheidene 120m² optimiert auf die Bedürfnisse der Zukunft. Da ist es wichtig, daß auch bei bewölktem Wetter noch viel Strom erzeugt wird. Siehe http://wohnen.pege.org/2006/sonne-statt-holz.htm

       
    • founder
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      Wird neue Dünnschichtphotovoltaik bei Neubauten - Dach ist Photovoltaik -eingesetzt, genügt eine Erhöhung des zinsgestützten Wohnbaudarlens um auch bei einem Ost West Dach unter 20 Cent pro kWh zu kommen. Da wird keine Förderung mehr gebraucht, weil die Strompreise für den Haushaltskunden bald deutlich über 20 Cent liegen werden. Es dies kostenneutral, wenn nicht sogar gewnnbringend für den Bauherren ist, fällt die Solarpflicht unter "Jemand zu seinen Glück zwingen" http://wohnen.pege.org/2008-solarpflicht/

       
    • Stromlieferant
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      Mittlerweile gäbe es ja doch viele Bürger die sich eine PV-Anlage anschaffen würden, wenn die Rahmenbedingungen passen. Man sieht es ja jedesmal wenn ein Förderkoningent aufgelegt wird ist es im Nu vergriffen. Meine Anlage war eine Eigeninvestition in der Höhe eines Mittelklasseautos. Stromliefervertrag an ÖKOstrom. Also über erhöhten Einspeisetarif erhalte ich die Förderung. Der Witz an der Sache ist dass die EAG für diese Anlage, obwohl ich nur Strom ins Netz liefere eine Strombezugsgebühr von 3.90 pro Monat einhebt, zusätzlich eine Zählergebühr. (da sollte es doch intelligentere Lösungen geben.) Ich zahle sozusagen nur wegen der PV Anlage für 2 Zähler.

       
    • founder
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      Die Rahmenbedinungen braucht man nur an 2 Punkten ändern: Steuerreform mit 10 Cent pro kg CO2 finanzieren jeweils pro Jahr 1200.-EUR weniger Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil Sozialversicherung. Zinsgestütztes Darlehten mit 2500.-EUR pro kW PV. Da ist dann eine Förderung überflüssig, weil ein kleiner Teil der Quersubventionierung billiger fossiler Energie durch höchstbelastete Arbeit wegfällt. PV wird durch CO2 Steuer fast nicht teurer, siehe Studie zu den ersten 2 Schritten Umbau Steuersystem http://politik.pege.org/2009-fehler/photovoltaik-kohle.htm

       
    • Stromlieferant
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      Das ist eben so Gesetzlich geregelt wurde mir auch von der E-Control bestätigt. soEin Mitarbeiter der EAG hat mir sogar gesagt, dass sie eigentlich keine Freude mit PV Anlagen haben. Hoffentlich ist das nicht Konzern

       
    • Karl Pragerstorfer
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      Ich bin in Steyr zu Hause und hier auch bei den Grünen aktiv. Ich gebe gern Informationen weiter wie die Energieweden in OÖ in den nächsten Jahren aussehen kann. Ich gebe auch gerne Infromationen zu meiner eigenen PV-Anlage und berate andere.

       
  •  Christiane Brunner | Gruene Sprecherin für Umwelt-
     

    Dass unser Energiesystem in 20 Jahren noch genau so funktionieren wird wie heute ist für mich die viel größere Illusion als die Umsetzung der Energiewende. Förderungen in Nabucco&Co bedeuten Zeitverlust und verhaften uns in Systemen der Vergangenheit (die müssen dann krampfhaft verlängert und subventioniert werden, weil sie immerhin ja auch wirtschaftlich laufen müssen)- "My Home is my Kraftwerk" ist der Schlüssel zur Energiewende, aber auch der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit. Erneuerbare Energiesysteme funktionieren dezentral und das bedeutet Unabhängigkeit für die EnergiekonsumentInnen (=produzentInnen). Für mich ist das auch demokratiepolitsch eine große Chance!!!